Weihnachten – Licht des Heils

Um Zions willen werde ich nicht schweigen, um Jerusalems willen nicht still sein, bis hervorbricht wie ein helles Licht seine Gerechtigkeit und sein Heil wie eine brennende Fackel.

Jes 62,1

Ich kann nicht schweigen und ich werde nicht schweigen. Es gibt wenig Menschen, die den Mut haben, durch Widerstände und Ablehnung hindurch ihrer Überzeugung treu zu bleiben und dafür Zeugnis zu geben. Hier ist es Gott der redet, der niemals schweigt. Das Schweigen Gottes war schon immer ein Bild für die Gottferne einer Zeit. Hier zeigt sich Gott als der Nahe, als der Redende. Er verschafft seiner Botschaft Geltung, auch dort, wo die Menschen sie nicht hören und annehmen wollen. Gott kann niemand zum Schweigen bringen.

Gott redet nicht um seiner selbst willen. Wenn er redet, dann geht es ihm nicht darum, dass die Menschen ihm Opfer bringen. Gott redet um der Menschen willen. Er will den Menschen Gerechtigkeit und Heil bringen. Seine Worte richten sich gegen die Ungerechtigkeit und Sünde der Menschen. Gott tritt ein für die Schwachen und Unterdrückten. Ihnen will er mit seinen Worten Recht verschaffen.

Gott ist ein lästiger Mahner. Immer wieder haben Mächtige versucht, mit seinem Namen ihre Macht zu rechtfertigen. Zu allen Zeiten missbrauchen diejenigen, die sich seine Diener nennen, seinen Namen dazu, sich selbst Vorteile und Einfluss zu sichern. Doch Gott lässt auf Dauer nicht zu, dass man seinen Namen missbraucht. Gott ist kein toter Götze, der nur die Fassade bildet für das Machtgebaren seinen Diener. Gott ist lebendig. Er ruft und schreit, er handelt und bestimmt selbst das Geschick der Welt.

Gottes Wort findet seinen Weg zu den Menschen. Das wird ganz besonders an Weihnachten deutlich. Wir feiern die Fleischwerdung des Wortes. “Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt.” So bringt es der Evangelist Johannes zum Ausdruck. Gottes Wort wird ein kleines, hilfloses Kind. Die Worte aber, die Gottes Sohn auf der Erde gesprochen hat, haben auch heute, über 2000 Jahre nach dieser Fleischwerdung, nichts von ihrer Macht verloren.

Gottes Wort bringt Licht ins Dunkel. Es ruft nach Gerechtigkeit, wo Menschen ungerecht behandelt werden. Es bringt Heil, wo Menschen im Unheil leben. Gottes Wort, Fleisch geworden in Jesus Christus, machtvoll bis heute in jedem, der an ihn glaubt.

Weihnacht
Licht im Leben
von Gott entzündet
Wort des Heils
von Gott gesandt
Mensch geworden
um die Menschen
Menschlichkeit zu lehren
und um Gottes Licht
unauslöschlich zu entzünden
mitten in der Welt
Licht, das bis heute leuchtet
Wort der Gerechtigkeit
und des Heils
das nie verstummt
Licht der Hoffnung
in einer unheiligen Zeit.

Dritter Advent

Herr, mein Gott

schweigend stehe ich vor dir

du bist da,

auch wenn ich dich nicht sehe.

Ich befinde mich im Raum deiner Liebe.

Durchdringe mich ganz mit deiner Liebe.

dass ich immer mehr Liebe werde,

so wie du die vollkommene Liebe bist.

Mach mich zum Boten deiner Liebe

dass die Menschen um mich herum

deine Liebe spüren.

Lass uns Menschen eins sein in der Liebe

dass das Fest des Lebens niemals endet.

Amen.

Sieben Freuden Mariens

Freude kennzeichnet das Leben der Christen, Freude darüber, dass wir von Gott erlöst sind, befreit von Sünde und Tod. Maria war die erste, die diese Erlösung erfahren durfte, denn noch bevor sie Mutter des Erlösers wurde, hat Gott sie bereits der Frucht der Erlösung teilhaft werden lassen.

Gott hat Maria erwählt, die Mutter seines Sohnes zu werden. Allein diese Erwählung ist bereits Grund zur Freude. Maria durfte alle Heilsereignisse, die wir in den großen Festen der Kirche feiern, selbst miterleben. Sie war die erste, die dem Wort, das Fleisch geworden ist und unter uns Menschen gewohnt hat, in die Augen blicken durfte. Ihr hat Gott seinen Sohn anvertraut, sie sah ihn wachsen und sich entwickeln.

Die Mutter des Sohnes Gottes zu sein, war nicht immer leicht. Maria wurde zur Außenseiterin der Gesellschaft, weil sie schwanger war, ohne verheiratet zu sein. Ihr fiel es sicher nicht immer leicht, das was Jesus tat und sagte zu verstehen. Sie musste sich damit abfinden, dass Jesus seine Mutter auf die gleiche Stufe stellte wie alle seine Jünger. Und schließlich musste sie mit ansehen, wie ihr Sohn qualvoll am Kreuz gestorben ist.

Doch sie durfte auch alle seine Wunder erleben, die Freude darüber, dass Menschen geheilt wurden, durfte sie hautnah spüren. Sie gehörte zu der jungen Kirche, die sich in Freude über die Auferstehung Jesu versammelte, betete zusammen mit den Aposteln um den Heiligen Geist und wurde am Ende ihres Lebens von ihrem Sohn mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen.

Die Schmerzen Mariens werden von der Kirche am 14. September gefeiert, ein Fest der Freuden Mariens konnte sich jedoch nicht durchsetzen. Vielleicht lag das auch daran, dass fast jede der Freuden Mariens ihr eigenes großes Fest im Kirchenjahr hat. Eine Schrift von Papst Clemens IV. aus dem Jahr 1265 dient als Beleg dafür, dass es im Mittelalter ein solches Fest gegeben hat, verbreitet war es besonders in den franziskanischen Orden. Papst Pius X. hat ein Fest der Freuden Mariens im Jahr 1906 für die ganze Kirche bestätigt, heute ist es im liturgischen Kalender jedoch nicht mehr zu finden. Das soll uns aber nicht daran hindern, hier an dieses weithin vergessene Fest zu erinnern und die Freuden Mariens zusammenfassend dazustellen.

Die sieben Freuden Mariens sind:

die Verkündigung der Geburt Jesu durch den Engel (Lk 1,26-38, Verkündigung des Herrn am 25.3.)

die Begegnung Marias mit Elisabeth (Lk 1,39-56, Mariä Heimsuchung am 2.7.)

die Geburt Jesu (Lk 2,1-21, Weihnachtsfest am 25.12.)

die Anbetung der Weisen aus dem Morgenland (Mt 2,1-12, Erscheinung des Herrn am 6.1.)

die Wiederfindung des zwölfjährigen Jesus im Tempel (Lk 2,41-52)

die Auferstehung Jesu (Osterfest)

die Aufnahme Mariens in den Himmel (Mariä Himmelfahrt am 15.8.)

Bis auf die Aufnahme Mariens in den Himmel finden sich alle Freuden Mariens in der Heiligen Schrift, besonders im Lukasevangelium. Mit Maria kommen wir hautnah an das Geschehen um Jesus Christus heran, sie zeigt uns ihren Sohn. Sehr schön finde ich diese Vertrautheit zwischen Maria und Jesus in der Ikone dargestellt, deren Herkunft ich leider nicht ermitteln konnte, eine Vertrautheit, die in alle Ewigkeit besteht.

Freuen wir uns mit Maria an Jesus, tragen wir diese Freude in die Welt. Wie Maria sind auch wir erwählt zu Zeugen des Wortes Gottes. Auch wenn es im Leben jedes Christen oft schmerzhafte Momente gibt und der Blick auf die Schmerzen Mariens für viele trostreich sein mag, der Blick auf die Freuden Mariens zeigt uns, dass die Hoffnung trägt und das Glück das Ziel ist, das Gott für uns bereitet hat.

Adam, wo bist du?

Als sie an den Schritten hörten, dass sich Gott, der HERR, beim Tagwind im Garten erging, versteckten sich der Mensch und seine Frau vor Gott, dem HERRN, inmitten der Bäume des Gartens. Aber Gott, der HERR, rief nach dem Menschen und sprach zu ihm: Wo bist du? Er antwortete: Ich habe deine Schritte gehört im Garten; da geriet ich in Furcht, weil ich nackt bin, und versteckte mich. (Gen 3,8-10)

Wir dürfen die Erzählungen des Buches Genesis nicht wörtlich nehmen, aber dennoch enthalten sie Wahrheiten, die für immer bleiben. Adam und Eva haben gegen das Gebot Gottes verstoßen und – verführt von der Schlange – von dem verbotenen Baum gegessen. Doch anstatt nun besonders weise und mächtig zu werden, wie es ihnen die Schlange versprochen hatte, erkennen sie nur ihre Nacktheit und fangen an sich zu schämen.

Plötzlich kommt Gott durch den Garten Eden. Bisher lebten Mensch und Gott dort in einem vertrauten Verhältnis. Der Mensch freute sich an Gottes Nähe und Gott freute sich am Leben des Menschen. Aber nun ist es anders. Der Mensch erschrickt vor Gott und versteckt sich vor ihm. Vordergründig gibt der Mensch seine Nacktheit als Grund für seine Furcht an. Doch es steckt mehr dahinter.

Nichts ist mehr, wie es vorher war. Wir kennen das vielleicht selbst. Eine Beziehung war harmonisch, die Partner konnten einander vertrauen, doch dann tut einer der Partner etwas, das er nicht hätte tun dürfen. Der andere merkt, dass etwas nicht stimmt. Es gibt hier zwar immer wieder Wege, mit diesem Fehler zu leben und wieder zusammen zu finden, doch diese Wege sind beschwerlich.

Gott weiß, was geschehen ist. Er sucht den Menschen, ruft nach ihm. Ist es die Suche eines strafenden Gottes nach dem Übeltäter oder ist es nicht vielmehr die Suche des liebenden Gottes nach dem Menschen, dem er verzeihen möchte? Im folgenden Gespräch gibt Gott dem Menschen die Möglichkeit, seine Sünde einzugestehen und um Verzeihung zu bitten, doch der Mensch ist weit davon entfernt, diese Möglichkeit anzunehmen, stattdessen gibt einer dem anderen die Schuld, der Mann der Frau und die Frau der Schlange.

Der Mensch hat noch nicht gelernt, Verantwortung für sein Tun zu übernehmen. Der Genuss der verbotenen Frucht hat etwas im Menschen bewirkt. Er hat neue Fähigkeiten gewonnen, neue Erkenntnisse. Doch er muss lernen, sie verantwortungsvoll zu nutzen. Im Paradies gibt es keinen Platz mehr für einen solchen Menschen. Stattdessen muss der Mensch nun selbst für sein Wohlergehen sorgen, mühsam sich die Erde nutzbar machen, Neues entdecken.

Der Mensch muss nun selbst für sich sorgen, und doch findet Gott immer wieder Wege, erneut zu einem vertrauten Verhältnis zu diesem Menschen zu finden. Gott will dem Menschen begegnen, in seiner Mühsal, in seinem Alltag. Davon berichtet die Bibel, wie Gott sich dem Menschen zuwendet und ihn zu einer ganz neuen Gemeinschaft mit sich führen will.

Fronleichnam

JESUS,

ich schaue Dich an

im heiligen Brot der Eucharistie.

Dieses Brot ist Dein Leib.

Dieses Brot erinnert mich daran,

was Du für mich getan hast.

In deiner Liebe

bist Du für mich in den Tod gegangen.

du bist am Kreuz gestorben,

um mir das Leben zu schenken.

Jesus,

Du bist durch den Tod

ins Leben gegangen.

Jesus, Du lebst

und ich lebe mit Dir.

Lass mich leben

zu Deiner Ehre.

Dir will ich ganz gehören.

Jesus,

Du Herr meines Lebens.

Ich schaue Dich an

und erkenne Deine Liebe.

Lass mich leben aus dieser Liebe.

Amen.

Gottesliebe

Meine Kinder, ich schreibe euch dies, damit ihr nicht sündigt. Wenn aber einer sündigt, haben wir einen Beistand beim Vater: Jesus Christus, den Gerechten. Er ist die Sühne für unsere Sünden, aber nicht nur für unsere Sünden, sondern auch für die der ganzen Welt. (1Joh 2,1-2)

Der Johannesbrief beschäftigt sich ausführlich mit der Frage, was mit den Gläubigen ist, die sündigen. Normalerweise sollte es unter den Gläubigen keine Sünde geben. Durch die Taufe sind sie rein geworden von der Sünde, sie sind aus der Finsternis gerettet und ihr neues Leben ist ein Leben ohne Sünde im Licht Gottes. Aber die Realität sieht anders aus. Kein Mensch kann ohne Sünde leben. Ist aber jede Sünde bereits ein Bruch der Gemeinschaft mit Gott?

Christus ist für unsere Sünden gestorben und hat uns so die Liebe Gottes gezeigt. Diese Liebe gilt auch dem Sünder, und deshalb wird Gott dem Sünder immer wieder vergeben. Aber das ist kein Freibrief dafür, zu sündigen. Denn Sünde kann sehr wohl von Gott trennen. Wer Gott erkannt hat, dessen Bestreben wird es sein, seine Gebote zu halten. Doch trotz allem Bestreben danach, ohne Sünde zu leben, kann auch ein solcher Mensch sündigen. Es geschieht aber nicht aus Vorsatz, sondern aus Schwachheit.

Das ist denke ich der große Unterschied, den das Gewissen eines jeden prüft. Wenn ich sündige, weil ich denke, Gott wird mir ja eh vergeben, ich kann mir das erlauben, so handelt es sich dabei um eine schwerwiegende Sünde, weil sie mit Vorsatz geschieht. Wer aber aus Schwachheit oder Unachtsamkeit sündigt, und dann seine Sünde bereut, dessen Sünde ist leicht und findet bei Gott sofort Vergebung. Wir können zwar Menschen täuschen, nicht aber Gott. Er weiß genau was unsre Absichten und Beweggründe sind.

Und daran erkennen wir, dass wir ihn erkannt haben: wenn wir seine Gebote halten. Wer sagt: Ich habe ihn erkannt!, aber seine Gebote nicht hält, ist ein Lügner und in dem ist die Wahrheit nicht. Wer sich aber an sein Wort hält, in dem ist die Gottesliebe wahrhaft vollendet; daran erkennen wir, dass wir in ihm sind. (1Joh 2,3-5)

Wer Gott sucht, wer ihn immer tiefer erkennen will, der wird seine Gebote halten und die Sünde meiden. Wenn er dennoch in Sünde fällt, wird er es zutiefst bereuen und aus seinem Fehler lernen. So wird er in immer engere Gemeinschaft mit Gott treten. Wer aber meint, dass er ein Glaubender sein kann und zugleich keine Scheu vor der Sünde zu haben braucht, der ist ein Lügner, er belügt sich selbst und andere.

Wir erkennen, dass wir den Weg mit Gott gehen, wenn wir uns an sein Wort halten. Dann wird die Gottesliebe in uns stetig wachsen.

Herr, lass meine Liebe zu dir wachsen

lass sie erblühen und glänzen.

Lass mich die Freiheit erkennen,

die deine Liebe schenkt.

Ich möchte mich dir ganz hingeben,

lass mich die Geborgenheit erfahren,

die du allein geben kannst.

Wenn ich mich dir ganz schenke,

schenkst du mir alles.

Mein Leben soll Zeugnis geben von dir.

Dir allein will ich gehören,

mein Herr und mein Gott.

Amen.

Ostern

Am Ostermorgen, als endlich die Sabbatruhe vorüber ist, brechen drei Frauen in aller Frühe auf, und machen sich auf den Weg zum Grab Jesu. Sie haben Jesu Tod am Kreuz miterlebt und beobachtet, wohin der Leichnam Jesu gelegt wurde. Nun haben sie in aller Eile Salböl gekauft und wollen damit dem Leichnam Jesu die letzte Ehre erweisen.

Markus betont, dass es nach der Sabbatruhe der frühestmögliche Zeitpunkt ist, an dem die Frauen zum Grab gehen, um den

Leichnam Jesu zu salben. Sie müssen sehnsüchtig auf diesen Moment gewartet haben, vielleicht haben sie sogar die ganze Nacht hindurch gewacht, damit sie den ersten Sonnenstrahl nicht verpassen, der ihnen erlaubt, die Sabbatruhe zu beenden.

Doch am Grab ist alles so sonderbar. Sie müssen erkennen, das alles anders läuft, als sie es erwartet hatten, dreimal. Die erste Sorge der Frauen war, wie sie in das Grab kommen können. Der Stein, der es verschloss, war so schwer, dass sie es selbst zu dritt nicht geschafft hätten. Doch als sie ans Grab kommen, sehen sie, dass der Stein bereits weggewälzt ist.

Die Frauen kamen zum Grab, um dort dem Leichnam Jesu die letzte Ehre zu erweisen. Doch der Leichnam Jesu ist weg, das Grab ist leer. Stattdessen sitzt da ein Engel, der bereits auf sie zu warten scheint. Diese Begegnung erschreckt sie. Damit haben sie nicht gerechnet. und einem Engel begegnet man ja nicht alle Tage. Jesus ist nicht mehr da, der Engel sagt ihnen, dass er auferstanden ist. Sie verstehen nicht, was das zu bedeuten hat.

Diese Botschaft des Engels aber ist das Entscheidende, das Markus jedem Leser seines Evangeliums ans Herz legt. Das Grab Jesu ist leer. Der gekreuzigte ist Auferstanden. Das bedeutet, er lebt! Der Tod ist überwunden, er hat keine Macht mehr über die Menschen. Alle Bosheiten und Anfeindungen der Menschen, alle Drohungen und Hinrichtungen können den Glauben an diesen Jesus nicht erschüttern. Jesus lebt und jeder, der glaubt, lebt mit ihm. Alles Irdische ist vergänglich, alle irdische Macht begrenzt. Die Kraft des Glaubens aber ist unbegrenzt und Gott ist ewig. Wer sich an ihn hält, braucht sich nicht zu fürchten, nicht einmal vor dem Tod.

Christus ist von den Toten erweckt,
der Erstling der Entschlafenen.
Der Erstgeborene der Schöpfung,
der Schöpfer all dessen, was ist,
hat die verdorbene Natur unseres Geschlechts
in sich erneuert.
Nicht mehr der Tod übt die Herrschaft aus,
sondern der Gebieter über das All
hat seine Macht vernichtet.
(Gebet der Ostkirche)

Karsamstag

Da es Rüsttag war, der Tag vor dem Sabbat, und es schon Abend wurde, ging Josef von Arimathäa, ein vornehmes Mitglied es Hohen Rats, der auch auf das Reich Gottes wartete, zu Pilatus und wagte es, um den Leichnam Jesu zu bitten. Pilatus war überrascht, als er hörte, dass Jesus schon tot sei. Er ließ den Hauptmann kommen und fragte ihn, ob Jesus bereits gestorben sei. Als er es vom Hauptmann erfahren hatte, überließ er Josef den Leichnam. (Mk 15,42-45)

Ein römischer Hauptmann und einige Frauen wurden als Zeugen von Jesu Tod genannt. Dieser Hauptmann steht als Beispiel für all jene, die an Jesu Tod nicht irrewerden, sondern denen dieser Tod ein Zeichen ist für das neue Leben. Es mag ungewöhnlich erscheinen. Ein Prediger und Wunderheiler, als Gotteslästerer am Kreuz hingerichtet, der kann doch nur ein Betrüger gewesen sein. Doch bereits in Jesu Todesstunde ereignet sich Ungewöhnliches. Schon bei Jesu Tod wird spürbar, dass hier kein Betrüger und Gotteslästerer die vermeintlich gerechte Strafe erfährt, sondern dass hier der König der Welt und Herr über Leben und Tod selbst in den Tod geht.

Der Hauptmann erkennt das Besondere an dieser Situation. Für ihn ist Jesu Tod nicht Anlass zum Zweifel, sondern ein Zeichen für den Glauben. Auch für Pilatus war Jesu Hinrichtung kein gewöhnliches Ereignis, auch er hat das Besondere an Jesus gespürt, er wunderte sich, dass Jesus so schnell tot war, befragte dazu extra noch den Hauptmann als Zeugen, aber damit ist die Angelegenheit für ihn erledigt. Andere Themen stehen nun auf der Tagesordnung.

Pilatus und der Hauptmann, zwei Wege, um mit Jesu Tod umzugehen. Was beschäftigt mich, wenn ich an Jesu Tod denke? Kann ich dieses Ereignis einfach mit einem Schulterzucken abtun und zum Tagesgeschäft übergehen? Ach dieser Jesus, er mag ein besonderer Mensch gewesen sein, aber jetzt ist er tot, schade, aber was kümmert mich das weiter … Oder wird Jesu Tod für mich Anlass, mein Leben zu verändern, weil dieser Tod die Welt verändert hat?

Heute umschließt ein Grab den,

der mit seiner Hand die Schöpfung umschließt;

es bedeckt ein Stein den,

der die Himmel mit Glanz bedeckt,

es schläft das Leben und der Hades erbebt,

und Adam wird von den Fesseln befreit.

Ehre sei deiner Heilstat, durch die du alles vollendet

und die ewige Sabbatfeier und geschenkt hast,

da du Gott bist,

durch deine allheilige Auferstehung von den Toten.

(Gebet der Ostkirche)

Josef kaufte ein Leinentuch, nahm Jesus vom Kreuz, wickelte ihn in das Tuch und legte ihn in ein Grab, das in einen Felsen gehauen war. Dann wälzte er einen Stein vor den Eingang des Grabes. Maria aus Magdala aber und Maria, die Mutter des Joses, beobachteten, wohin er gelegt wurde. (Mk 15,46-47)

Durch das Zeugnis des Hauptmanns vor Pilatus wurde der Tod Jesu amtlich beglaubigt. Während die Jünger Jesu geflohen sind, ist Josef von Arimathäa der erste, der sich zu Jesu bekennt, indem er vor Pilatus um den Leichnam Jesu bittet. Das einzige, das er nun für Jesus tun kann, ist ihm ein würdiges Begräbnis zu bereiten. Die Frauen, die bereits unter dem Kreuz gestanden sind, beobachten was geschieht. Auch sie haben ihre Pläne, um Jesus ein würdiges Begräbnis zu bereiten, doch darauf müssen sie sich vorbereiten und dabei die vorgeschriebene Sabbatruhe abwarten. Nach Jesu Grablegung kommt es also erstmal zu einem Tag der Ruhe, bis die Ereignisse des Ostermorgens ein ganz anderes Licht auf dieses Ereignis werfen werden.