Lazarus (2) – Joh 11

Leben und Tod, sie liegen oft so nahe beieinander. Menschen riskieren ihr eigenes Leben, um das Leben anderer zu retten, der Tod von Müttern bei der Geburt ihrer Kinder ist keine Seltenheit. Wir fragen uns sicher oft, warum manche Menschen bei Katastrophen sterben müssen, während andere mit dem Leben davonkommen.

Dann lasst uns mit ihm gehen, um mit ihm zu sterben.

Spricht aus diesem Satz des Apostels Thomas nicht eine gewisse Resignation? Es ist sicher kein Zufall, dass es dann nach der Auferstehung Jesu auch eben dieser Thomas ist, dem der Herr noch einmal eigens erscheint, um ihn von der Wirklichkeit der Auferstehung zu überzeugen.

Lazarus ist krank, sterbenskrank, ja er ist sogar schon tot. Jesus spürt das. Er weiß auch, dass sein eigener Tod bevorsteht. Und damals wie heute werden viele nicht verstanden haben, warum das so sein muss. Ist Jesus nicht gerade dazu gekommen, das Leben zu bringen? Wenn wir seine Wunder sehen, wie er Menschen glücklich gemacht hat durch Heilung von körperlichen und seelischen Gebrechen, wie er Ausgestoßene in die Gemeinschaft zurückgeführt hat, wie er mit den Menschen gegessen und getrunken hat, so war das alles ein großes Fest des Lebens. Hätte es nicht immer so weiter gehen können, bis die ganze Welt glücklich bei diesem Fest des Lebens mitfeiert?

Doch nun klopft der Tod an die Tür, bei Jesus und bei seinen Freunden. Der Tod hat immer noch ein gehöriges Wort mitzureden. Das Fest des Lebens wurde ohne ihn gefeiert, nun fordert er seinen Tribut, stört das Fest wie ein ungebetener Gast, den mal ausgesperrt hat und der auf Rache sinnt.

Thomas beginnt zu zweifeln und wer weiß wie viele noch mit ihm. Hatte Jesus vielleicht nur eine gewisse Zeit Glück, so dass er die Menschen begeistern konnte, ist aber letztlich auch nicht anders als die anderen Menschen, derer Glückssträhne irgendwann einmal vorbei ist? Ist nun alles zu Ende und sie haben ihre Hoffnung – wieder einmal – auf den Falschen gesetzt?

Der Tod fordert seinen Tribut, er stört das Fest des Lebens, bringt die Feiernden ordentlich durcheinander, ja er wird sogar den Gastgeber herausfordern, doch am Ende wird der Tod unterliegen, seine Macht ist am Ende. Ja, er wird sich weiterhin die Menschen holen, doch halten kann er sie nicht mehr. Hat er sie einmal erwischt, so entgleiten sie sofort wieder seinen Händen. Jesus wird durch seinen Tod den Weg durch den Tod hindurch öffnen. Nach der finsteren Tür des Todes wartet das helle Tor der Auferstehung, das alle Schrecken des Todes ungeschehen macht und zu neuem Leben führt.

Die Auferweckung des Lazarus ist ein erstes Zeichen für dieses neue Leben. Der Tote kommt aus dem Grab, gerufen von der wirkmächtigen Stimme des Herrn. Besonders eindrucksvoll ist dieser Ruf in der alten lateinischen Antiphon zum heutigen Tag intoniert.

Lazare veni foras – Lazarus, komm heraus!

Es ist der Ruf zum Leben, der an uns alle einmal ergehen wird. Freilich, Lazarus musste noch einmal sterben, ihm galt der Ruf noch nicht zum ewigen Leben. Doch Jesus ist auf dem Weg nach Jerusalem. Dort wird er das Tor dieses neuen Lebens machtvoll aufstoßen.

Noch sind die Zweifel groß. Die Jünger verstehen noch nicht. Thomas zweifelt an der Kraft des Lebens. Am Karfreitag werden sich alle resigniert zurückziehen. Ist nun das Fest des Lebens, das beim Abendmahl einen so grandiosen Höhepunkt gefunden hat, nun vorbei?

Nein, es fängt nun erst so richtig an. Nun ist der Herr beim Vater im Himmel. Nun hat er das Tor des Lebens geöffnet und niemand vermag es je mehr zu schließen. Doch dieses Tor kann nur erfahren, wer zuvor durch die dunkle Tür des Todes gegangen ist. Diese steht uns immer noch drohend vor Augen und macht vielen Angst. Doch wenn in uns die sichere Hoffnung auf das neue Leben ist, so werden wir diese Angst überwinden. Dann wissen wir, dass hinter der dunklen Tür einer steht, der uns ins Licht ruft. Er ruft jeden einzelnen beim Namen. Komm heraus! Komm her zu mir in die lichtvolle Herrlichkeit ewigen Lebens und feiere mit mir das Fest, das kein Ende kennt.

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