Die Gestalt dieser Welt vergeht. (1Kor 7,31)

Wenn wir die Texte des heutigen Sonntags hören, werden viele sagen: Ja, interessant, aber das ist doch nichts für mich. Wir leben unser Leben als „normale“ Menschen, gehen zur Schule, machen unsere Ausbildung, gehen unserer Arbeit nach, gründen eine Familie. Und, ja, dabei versuchen wir so gut es eben geht als Christen zu leben, gehen in die Kirche, wenigstens ab und zu, zumindest solange die Kinder noch jung sind, tun hier und da etwas Gutes, bringen uns vielleicht sogar im Gemeindeleben ein.

Aber das, was Jesus verlangt, alles stehen und liegen zu lassen und ein neues Leben anzufangen, das ist doch nur was für Menschen, die ins Kloster gehen, und davon gibt es bekanntlich immer weniger. Wen spricht Jesus mit seinem Ruf zur Nachfolge an? Sicher, er hat nur Zwölf zu Aposteln berufen, aber die Evangelien berichten immer wieder davon, dass es viele sind, die ihm nachfolgen.

Paulus will in seinem Brief an die Korinther die Menschen dafür sensibilisieren, was Nachfolge bedeutet. Dabei kommt er zu dem Schluss, dass es besonders die Beziehung zwischen Mann und Frau ist, die vom Weg der Nachfolge abhält. Wenn zwei Partner eine Familie gründen, dann geht es auch darum, für das Wohl dieser Familie zu sorgen, vielleicht sogar ein Haus zu bauen und die Grundlage dafür legen, dass die Kinder eine gute Zukunft haben.

Das alles erfordert Anstrengung. Für Paulus geht diese Anstrengung aber in die falsche Richtung. Denn das, wofür sich die Menschen da anstrengen, ist vergänglich. Besser wäre es, sich für das Bleibende zu engagieren und ehelos ganz für das Evangelium zu leben, so wie er selbst es getan hat. Aber der Mensch ist auf Beziehung hin angelegt. Wir brauchen einen Partner, mit dem wir unser Leben teilen, möchten Kinder haben und freuen uns daran, Leben weiterzugeben. Ohne Ehe und Kinder würde die Menschheit aussterben.

Ich denke, es kommt darauf an, einen gesunden Mittelweg zu finden. Wir dürfen uns nicht von den Zwängen dieser Welt abhängig machen. Oft kommt es vor, dass sich Menschen verschulden, weil sie ihrer Familie etwas bieten wollen und dann müssen sie umso mehr arbeiten, um diese Schulden wieder abzubezahlen. Sie sind gefangen von den Zwängen des Geldes und setzen damit das Glück ihrer Familie, das sie eigentlich erreichen wollen, aufs Spiel.

Einfach leben, aber überzeugt wäre hier eine Alternative, sich bewusst gegen den Markenkult und den Wettbewerb mit Prestigeobjekten stellen. Es gibt größere Ziele im Leben. Mit weniger materiellen Dingen glücklicher sein. Kein zwanghafter Verzicht, sondern sich freiwillig auf das Wesentliche beschränken. Loslassen können im Vertrauen darauf, dass Gott immer mehr schenkt, als wir selbst geben. Das Vergängliche vom Bleibenden unterscheiden und das letzte Ziel des Lebens nicht aus den Augen verlieren, nicht wegen des materiellen Erfolges die Sehnsucht nach dem wahren Glück vergessen.

Als Christen sollen wir nicht weltfremd sein, sondern das erkennen, worauf es wirklich ankommt. Der Sinn des Lebens besteht nicht darin, ein dickes Bankkonto zu haben, ein großes Haus und ein tolles Auto, christlich leben heißt aber auch nicht, auf alle Errungenschaften der Zivilisation zu verzichten. Christlich leben heißt, meinen Alltag zu meistern, im Beruf und in der Familie. Das zu tun, was notwendig ist, aber immer im Bewusstsein, dass der Gott Jesu Christi mein Leben trägt. Auch für diesen Gott soll es einen Platz geben in meinem Leben, in meinem Alltag, in meinem Beruf, in meiner Familie. Diesen Platz gilt es offen zu halten und dann wird Gott mir auch zeigen, was meine konkrete Berufung ist.

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