Adam, wo bist du?

Als sie an den Schritten hörten, dass sich Gott, der HERR, beim Tagwind im Garten erging, versteckten sich der Mensch und seine Frau vor Gott, dem HERRN, inmitten der Bäume des Gartens. Aber Gott, der HERR, rief nach dem Menschen und sprach zu ihm: Wo bist du? Er antwortete: Ich habe deine Schritte gehört im Garten; da geriet ich in Furcht, weil ich nackt bin, und versteckte mich. (Gen 3,8-10)

Wir dürfen die Erzählungen des Buches Genesis nicht wörtlich nehmen, aber dennoch enthalten sie Wahrheiten, die für immer bleiben. Adam und Eva haben gegen das Gebot Gottes verstoßen und – verführt von der Schlange – von dem verbotenen Baum gegessen. Doch anstatt nun besonders weise und mächtig zu werden, wie es ihnen die Schlange versprochen hatte, erkennen sie nur ihre Nacktheit und fangen an sich zu schämen.

Plötzlich kommt Gott durch den Garten Eden. Bisher lebten Mensch und Gott dort in einem vertrauten Verhältnis. Der Mensch freute sich an Gottes Nähe und Gott freute sich am Leben des Menschen. Aber nun ist es anders. Der Mensch erschrickt vor Gott und versteckt sich vor ihm. Vordergründig gibt der Mensch seine Nacktheit als Grund für seine Furcht an. Doch es steckt mehr dahinter.

Nichts ist mehr, wie es vorher war. Wir kennen das vielleicht selbst. Eine Beziehung war harmonisch, die Partner konnten einander vertrauen, doch dann tut einer der Partner etwas, das er nicht hätte tun dürfen. Der andere merkt, dass etwas nicht stimmt. Es gibt hier zwar immer wieder Wege, mit diesem Fehler zu leben und wieder zusammen zu finden, doch diese Wege sind beschwerlich.

Gott weiß, was geschehen ist. Er sucht den Menschen, ruft nach ihm. Ist es die Suche eines strafenden Gottes nach dem Übeltäter oder ist es nicht vielmehr die Suche des liebenden Gottes nach dem Menschen, dem er verzeihen möchte? Im folgenden Gespräch gibt Gott dem Menschen die Möglichkeit, seine Sünde einzugestehen und um Verzeihung zu bitten, doch der Mensch ist weit davon entfernt, diese Möglichkeit anzunehmen, stattdessen gibt einer dem anderen die Schuld, der Mann der Frau und die Frau der Schlange.

Der Mensch hat noch nicht gelernt, Verantwortung für sein Tun zu übernehmen. Der Genuss der verbotenen Frucht hat etwas im Menschen bewirkt. Er hat neue Fähigkeiten gewonnen, neue Erkenntnisse. Doch er muss lernen, sie verantwortungsvoll zu nutzen. Im Paradies gibt es keinen Platz mehr für einen solchen Menschen. Stattdessen muss der Mensch nun selbst für sein Wohlergehen sorgen, mühsam sich die Erde nutzbar machen, Neues entdecken.

Der Mensch muss nun selbst für sich sorgen, und doch findet Gott immer wieder Wege, erneut zu einem vertrauten Verhältnis zu diesem Menschen zu finden. Gott will dem Menschen begegnen, in seiner Mühsal, in seinem Alltag. Davon berichtet die Bibel, wie Gott sich dem Menschen zuwendet und ihn zu einer ganz neuen Gemeinschaft mit sich führen will.

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Fronleichnam

JESUS,

ich schaue Dich an

im heiligen Brot der Eucharistie.

Dieses Brot ist Dein Leib.

Dieses Brot erinnert mich daran,

was Du für mich getan hast.

In deiner Liebe

bist Du für mich in den Tod gegangen.

du bist am Kreuz gestorben,

um mir das Leben zu schenken.

Jesus,

Du bist durch den Tod

ins Leben gegangen.

Jesus, Du lebst

und ich lebe mit Dir.

Lass mich leben

zu Deiner Ehre.

Dir will ich ganz gehören.

Jesus,

Du Herr meines Lebens.

Ich schaue Dich an

und erkenne Deine Liebe.

Lass mich leben aus dieser Liebe.

Amen.

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Jesus – Retter

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Gottesliebe

Meine Kinder, ich schreibe euch dies, damit ihr nicht sündigt. Wenn aber einer sündigt, haben wir einen Beistand beim Vater: Jesus Christus, den Gerechten. Er ist die Sühne für unsere Sünden, aber nicht nur für unsere Sünden, sondern auch für die der ganzen Welt. (1Joh 2,1-2)

Der Johannesbrief beschäftigt sich ausführlich mit der Frage, was mit den Gläubigen ist, die sündigen. Normalerweise sollte es unter den Gläubigen keine Sünde geben. Durch die Taufe sind sie rein geworden von der Sünde, sie sind aus der Finsternis gerettet und ihr neues Leben ist ein Leben ohne Sünde im Licht Gottes. Aber die Realität sieht anders aus. Kein Mensch kann ohne Sünde leben. Ist aber jede Sünde bereits ein Bruch der Gemeinschaft mit Gott?

Christus ist für unsere Sünden gestorben und hat uns so die Liebe Gottes gezeigt. Diese Liebe gilt auch dem Sünder, und deshalb wird Gott dem Sünder immer wieder vergeben. Aber das ist kein Freibrief dafür, zu sündigen. Denn Sünde kann sehr wohl von Gott trennen. Wer Gott erkannt hat, dessen Bestreben wird es sein, seine Gebote zu halten. Doch trotz allem Bestreben danach, ohne Sünde zu leben, kann auch ein solcher Mensch sündigen. Es geschieht aber nicht aus Vorsatz, sondern aus Schwachheit.

Das ist denke ich der große Unterschied, den das Gewissen eines jeden prüft. Wenn ich sündige, weil ich denke, Gott wird mir ja eh vergeben, ich kann mir das erlauben, so handelt es sich dabei um eine schwerwiegende Sünde, weil sie mit Vorsatz geschieht. Wer aber aus Schwachheit oder Unachtsamkeit sündigt, und dann seine Sünde bereut, dessen Sünde ist leicht und findet bei Gott sofort Vergebung. Wir können zwar Menschen täuschen, nicht aber Gott. Er weiß genau was unsre Absichten und Beweggründe sind.

Und daran erkennen wir, dass wir ihn erkannt haben: wenn wir seine Gebote halten. Wer sagt: Ich habe ihn erkannt!, aber seine Gebote nicht hält, ist ein Lügner und in dem ist die Wahrheit nicht. Wer sich aber an sein Wort hält, in dem ist die Gottesliebe wahrhaft vollendet; daran erkennen wir, dass wir in ihm sind. (1Joh 2,3-5)

Wer Gott sucht, wer ihn immer tiefer erkennen will, der wird seine Gebote halten und die Sünde meiden. Wenn er dennoch in Sünde fällt, wird er es zutiefst bereuen und aus seinem Fehler lernen. So wird er in immer engere Gemeinschaft mit Gott treten. Wer aber meint, dass er ein Glaubender sein kann und zugleich keine Scheu vor der Sünde zu haben braucht, der ist ein Lügner, er belügt sich selbst und andere.

Wir erkennen, dass wir den Weg mit Gott gehen, wenn wir uns an sein Wort halten. Dann wird die Gottesliebe in uns stetig wachsen.

Herr, lass meine Liebe zu dir wachsen

lass sie erblühen und glänzen.

Lass mich die Freiheit erkennen,

die deine Liebe schenkt.

Ich möchte mich dir ganz hingeben,

lass mich die Geborgenheit erfahren,

die du allein geben kannst.

Wenn ich mich dir ganz schenke,

schenkst du mir alles.

Mein Leben soll Zeugnis geben von dir.

Dir allein will ich gehören,

mein Herr und mein Gott.

Amen.

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Ostern

Am Ostermorgen, als endlich die Sabbatruhe vorüber ist, brechen drei Frauen in aller Frühe auf, und machen sich auf den Weg zum Grab Jesu. Sie haben Jesu Tod am Kreuz miterlebt und beobachtet, wohin der Leichnam Jesu gelegt wurde. Nun haben sie in aller Eile Salböl gekauft und wollen damit dem Leichnam Jesu die letzte Ehre erweisen.

Markus betont, dass es nach der Sabbatruhe der frühestmögliche Zeitpunkt ist, an dem die Frauen zum Grab gehen, um den

Leichnam Jesu zu salben. Sie müssen sehnsüchtig auf diesen Moment gewartet haben, vielleicht haben sie sogar die ganze Nacht hindurch gewacht, damit sie den ersten Sonnenstrahl nicht verpassen, der ihnen erlaubt, die Sabbatruhe zu beenden.

Doch am Grab ist alles so sonderbar. Sie müssen erkennen, das alles anders läuft, als sie es erwartet hatten, dreimal. Die erste Sorge der Frauen war, wie sie in das Grab kommen können. Der Stein, der es verschloss, war so schwer, dass sie es selbst zu dritt nicht geschafft hätten. Doch als sie ans Grab kommen, sehen sie, dass der Stein bereits weggewälzt ist.

Die Frauen kamen zum Grab, um dort dem Leichnam Jesu die letzte Ehre zu erweisen. Doch der Leichnam Jesu ist weg, das Grab ist leer. Stattdessen sitzt da ein Engel, der bereits auf sie zu warten scheint. Diese Begegnung erschreckt sie. Damit haben sie nicht gerechnet. und einem Engel begegnet man ja nicht alle Tage. Jesus ist nicht mehr da, der Engel sagt ihnen, dass er auferstanden ist. Sie verstehen nicht, was das zu bedeuten hat.

Diese Botschaft des Engels aber ist das Entscheidende, das Markus jedem Leser seines Evangeliums ans Herz legt. Das Grab Jesu ist leer. Der gekreuzigte ist Auferstanden. Das bedeutet, er lebt! Der Tod ist überwunden, er hat keine Macht mehr über die Menschen. Alle Bosheiten und Anfeindungen der Menschen, alle Drohungen und Hinrichtungen können den Glauben an diesen Jesus nicht erschüttern. Jesus lebt und jeder, der glaubt, lebt mit ihm. Alles Irdische ist vergänglich, alle irdische Macht begrenzt. Die Kraft des Glaubens aber ist unbegrenzt und Gott ist ewig. Wer sich an ihn hält, braucht sich nicht zu fürchten, nicht einmal vor dem Tod.

Christus ist von den Toten erweckt,
der Erstling der Entschlafenen.
Der Erstgeborene der Schöpfung,
der Schöpfer all dessen, was ist,
hat die verdorbene Natur unseres Geschlechts
in sich erneuert.
Nicht mehr der Tod übt die Herrschaft aus,
sondern der Gebieter über das All
hat seine Macht vernichtet.
(Gebet der Ostkirche)

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Karsamstag

Da es Rüsttag war, der Tag vor dem Sabbat, und es schon Abend wurde, ging Josef von Arimathäa, ein vornehmes Mitglied es Hohen Rats, der auch auf das Reich Gottes wartete, zu Pilatus und wagte es, um den Leichnam Jesu zu bitten. Pilatus war überrascht, als er hörte, dass Jesus schon tot sei. Er ließ den Hauptmann kommen und fragte ihn, ob Jesus bereits gestorben sei. Als er es vom Hauptmann erfahren hatte, überließ er Josef den Leichnam. (Mk 15,42-45)

Ein römischer Hauptmann und einige Frauen wurden als Zeugen von Jesu Tod genannt. Dieser Hauptmann steht als Beispiel für all jene, die an Jesu Tod nicht irrewerden, sondern denen dieser Tod ein Zeichen ist für das neue Leben. Es mag ungewöhnlich erscheinen. Ein Prediger und Wunderheiler, als Gotteslästerer am Kreuz hingerichtet, der kann doch nur ein Betrüger gewesen sein. Doch bereits in Jesu Todesstunde ereignet sich Ungewöhnliches. Schon bei Jesu Tod wird spürbar, dass hier kein Betrüger und Gotteslästerer die vermeintlich gerechte Strafe erfährt, sondern dass hier der König der Welt und Herr über Leben und Tod selbst in den Tod geht.

Der Hauptmann erkennt das Besondere an dieser Situation. Für ihn ist Jesu Tod nicht Anlass zum Zweifel, sondern ein Zeichen für den Glauben. Auch für Pilatus war Jesu Hinrichtung kein gewöhnliches Ereignis, auch er hat das Besondere an Jesus gespürt, er wunderte sich, dass Jesus so schnell tot war, befragte dazu extra noch den Hauptmann als Zeugen, aber damit ist die Angelegenheit für ihn erledigt. Andere Themen stehen nun auf der Tagesordnung.

Pilatus und der Hauptmann, zwei Wege, um mit Jesu Tod umzugehen. Was beschäftigt mich, wenn ich an Jesu Tod denke? Kann ich dieses Ereignis einfach mit einem Schulterzucken abtun und zum Tagesgeschäft übergehen? Ach dieser Jesus, er mag ein besonderer Mensch gewesen sein, aber jetzt ist er tot, schade, aber was kümmert mich das weiter … Oder wird Jesu Tod für mich Anlass, mein Leben zu verändern, weil dieser Tod die Welt verändert hat?

Heute umschließt ein Grab den,

der mit seiner Hand die Schöpfung umschließt;

es bedeckt ein Stein den,

der die Himmel mit Glanz bedeckt,

es schläft das Leben und der Hades erbebt,

und Adam wird von den Fesseln befreit.

Ehre sei deiner Heilstat, durch die du alles vollendet

und die ewige Sabbatfeier und geschenkt hast,

da du Gott bist,

durch deine allheilige Auferstehung von den Toten.

(Gebet der Ostkirche)

Josef kaufte ein Leinentuch, nahm Jesus vom Kreuz, wickelte ihn in das Tuch und legte ihn in ein Grab, das in einen Felsen gehauen war. Dann wälzte er einen Stein vor den Eingang des Grabes. Maria aus Magdala aber und Maria, die Mutter des Joses, beobachteten, wohin er gelegt wurde. (Mk 15,46-47)

Durch das Zeugnis des Hauptmanns vor Pilatus wurde der Tod Jesu amtlich beglaubigt. Während die Jünger Jesu geflohen sind, ist Josef von Arimathäa der erste, der sich zu Jesu bekennt, indem er vor Pilatus um den Leichnam Jesu bittet. Das einzige, das er nun für Jesus tun kann, ist ihm ein würdiges Begräbnis zu bereiten. Die Frauen, die bereits unter dem Kreuz gestanden sind, beobachten was geschieht. Auch sie haben ihre Pläne, um Jesus ein würdiges Begräbnis zu bereiten, doch darauf müssen sie sich vorbereiten und dabei die vorgeschriebene Sabbatruhe abwarten. Nach Jesu Grablegung kommt es also erstmal zu einem Tag der Ruhe, bis die Ereignisse des Ostermorgens ein ganz anderes Licht auf dieses Ereignis werfen werden.

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Palmsonntag

Und sie brachten das Fohlen zu Jesus, legten ihre Kleider auf das Tier und er setzte sich darauf. Und viele breiteten ihre Kleider auf dem Weg aus, andere aber Büschel, die sie von den Feldern abgerissen hatten. (Mk 11,7-8)

Ein auf einem Esel reitender Rabbi, dem seine Schüler zu Fuß folgen, ist zur Zeit Jesu kein ungewöhnliches Bild. Doch was hier geschieht hat eine ganz andere Dimension. Wahrscheinlich haben die Menschen in Jerusalem schon früh davon erfahren, dass Jesus kommt. Man hat sicher schon viel von diesem Wunderheiler aus Galiläa gehört. Nun ist er da und die Begeisterung der Menge ist groß. Und wenn es anfangs vielleicht nur einige wenige waren, die Jesus begrüßt haben, eilen sicher bald viele andere herbei, um zu sehen, was hier geschieht, und schließen sich den Jubelrufen an.

Auch gewöhnliche Pilger wurden mit Jubelrufen in Jerusalem empfangen, doch der Ruf, der hier erschallt, ist mehr als nur ein Begrüßungsruf für gewöhnliche Pilger. Einige haben verstanden, was hier geschieht. Die Verheißung der Propheten geht in Erfüllung, der Messias kommt in seine Stadt. Das Ausbreiten von Kleidern und Büscheln verstärkt als Gestus die Huldigung. Ebenso wurde der alttestamentliche König Jehu empfangen, nachdem von Elischa gesalbt worden war (2Kön 9,13).

Die Leute, die vor ihm hergingen und die und die ihm nachfolgten, riefen: Hosanna! Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn! Gesegnet sei das Reich unseres Vaters David, das nun kommt. Hosanna in der Höhe! (Mk 11,9-10)

Der Ruf „Hosanna“ hat sich in seiner Bedeutung gewandelt von einem ursprünglichen Flehruf („Hilf doch!“) zu einem Huldigungsruf an den, von dem Hilfe erwartet wird. Er findet sich in Psalm 118 („Hosanna! Gesegnet, der da kommt im Namen des Herrn!“ Ps 118,25-26). Die Menge jubelt Jesus mit diesem Ruf als dem ersehnten Messias zu. Gerecht, siegreich und demütig ist dieser Messias gemäß der Prophezeiung des Sacharja. Gerecht, weil er den Willen Gottes tut, siegreich, weil Gott ihm beisteht und rettet aus der Not, demütig, weil er sich nicht über andere erhebt, sondern sich mit den Armen und Schwachen solidarisiert.

Der Ruf der Menschen in Jerusalem wird auch der Jubelruf unserer Befreiung. Das, was in den nächsten Tagen dort geschehen wird, wird die Welt verändern und macht den Weg frei zum neuen, ewigen Leben.

Begraben mit Dir durch die Taufe, Christus unser Gott, sind wir des unsterblichen Lebens gewürdigt durch Deine Auferstehung, und singen und rufen Dir zu: „Hosanna in den Höhen! Gesegnet, der da kommt im Namen des Herrn!“ (Gebet der Ostkirche)

Die Hoffnung auf den Anbruch der Gottesherrschaft als Wiederherstellung des Königtums David wird durch den zweiten Teil des Rufes zum Ausdruck gebracht. Eine weit verbreitete Vorstellung sah den Messias als neuen König David, der für Israel das Reich wiederherstellt. Viele werden nun genau das von Jesus erwartet haben, als er in „seine“ Stadt Jerusalem einzieht. Jesus schweigt zu den Rufen der Menge. Er weiß, dass er als Messias jetzt nicht so die Herrschaft antreten wird, wie es die Menge erwartet. Der Thron, den er besteigen wird, ist das Kreuz. Hier zeigt sich seine Königsmacht. Doch das würden die Menschen jetzt nicht verstehen. So lässt er sie gewähren.

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Ist Gott für uns, wer ist dann gegen uns? (Röm 8,31)

 Ist Gott für uns, wer ist dann gegen uns? Er hat seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern ihn für uns alle hingegeben – wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken? Wer kann die Auserwählten Gottes anklagen? Gott ist es, der gerecht macht. Wer kann sie verurteilen? Christus Jesus, der gestorben ist, mehr noch: der auferweckt worden ist, sitzt zur Rechten Gottes und tritt für uns ein. Was kann uns scheiden von der Liebe Christi? Bedrängnis oder Not oder Verfolgung, Hunger oder Kälte, Gefahr oder Schwert? In der Schrift steht: Um deinetwillen sind wir den ganzen Tag dem Tod ausgesetzt; wir werden behandelt wie Schafe, die man zum Schlachten bestimmt hat. Doch all das überwinden wir durch den, der uns geliebt hat. (Röm 8,31-37)

Diese Worte des Paulus sind eine Fanfare der Zuversicht, des Vertrauens auf einen Gott, der die Menschen unbeschreiblich liebt. Wer an diesen Gott glaubt, wer sich auf ihn einlässt, sich auf ihn verlässt, ihm sein Leben anvertraut, dem kann nichts schaden. Das Leben mit diesem Gott wird zwar kein einfaches Leben, aber ein erfülltes Leben sein.

Zeichen der Hingabe an Gott sind für mich die geöffneten Hände, die ich diesem Gott entgegenstrecke. Nicht so sehr die gefalteten Hände. Wer seine Hände faltet und Gott entgegenstreckt, der bittet ihn um etwas, ja fordert vielleicht sogar von Gott etwas ein. Darin sehe ich einen gewissen Zwang, wenn ich Gott bestürme, um etwas Bestimmtes zu erhalten.

Die geöffneten Hände sind für mich ein Zeichen der Zuversicht. Ich vertraue mich Gott an, weil ich weiß, dass das, was er mir schenkt, besser für mich ist, als das, was ich selbst erhalten möchte. Ich will Gott nicht in eine bestimmte Richtung lenken, sondern lasse mich von ihm leiten, wohin er will, bin bereit für die Überraschungen, die er mir schickt.

Um zu dieser Zuversicht zu gelangen, muss ein Mensch erfahren haben, dass es diesen Gott wirklich gibt. Drei Jünger haben diese Erfahrung auf dem Berg der Verklärung gemacht, Paulus wurde diese Erfahrung in seinem Erlebnis auf dem Weg nach Damaskus zuteil. Wenn wir aber zweifeln, wenn wir uns fragen, ob dieser Gott vielleicht doch nur ein Produkt menschlicher Phantasie ist, werden wir nicht zu dieser Zuversicht fähig sein.

Gott ist. Gott existiert. Wer das wirklich ohne Zweifel glaubt, wird mit diesem Glauben nach Jesu Wort Berge versetzen können. Wenn ich jetzt diesen Glauben noch nicht habe, so möchte ich dennoch die Sehnsucht haben, diesen Glauben zu erlangen, die Erfahrung zu machen, dass Gott wirklich existiert, dass er kein Produkt menschlicher Phantasie ist, sondern dass Mensch und Welt die Schöpfung dieses Gottes sind.

Herr, mein Gott,

lass mich Deine Gegenwart erfahren.

Lass mich erkennen,

dass Du da bist,

dass Du lebst,

dass Du nicht das Produkt

der Phantasie des Menschen bist,

sondern dass Du

unser Schöpfer bist.

Ich will mich Dir ganz schenken,

mein Leben

ganz in Deine Hände legen.

Nimm mich Herr,

und mache mit mir

was Du willst.

Herr, denn ich weiß,

so wie Du es willst,

so ist es gut für mich

und weil du für mich bist

vermag nichts und niemand

gegen mich zu sein.

Lass mich stets leben

in dieser Zuversicht,

in der Gewissheit,

dass Du lebst

und mich liebst.

Amen.

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Die Bücher der Chronik

Die Bücher der Chronik geben einen Überblick über die Geschichte Israels von Adam bis zum Ende des babylonischen Exils. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Regentschaft der Könige David und Salomo, die für die Juden bis heute den Höhepunkt der Geschichte Israels markieren. Den Juden der nachexilischen Zeit soll somit ein Beispiel vor Augen geführt werden, das sie stets anstreben sollen. Eine zentrale Stellung nimmt dabei auch der Tempel in Jerusalem ein, dessen Standort bereits von David gewählt wurde, der dann von Salomo glänzend errichtet wurde und der nach der Zerstörung durch die Babylonier nach dem Exil wiederaufgebaut wurde und das Zentrum der Verehrung des Gottes Israels bildet.

Die beiden Bücher der Chronik waren ursprünglich ein einziges Buch, das in der hebräischen Bibel den Titel „Ereignisse der Tage“ trägt, was Hieronymus in der Vulgata mit „Verba dierum“ wiedergegeben hat. Die Septuaginta nennt das Buch „Paralipomena“, was mit „Übergangenes“ übersetzt werden kann und darauf hinweist, dass trotz der inhaltlichen Nähe zu den Büchern Samuel und Könige hier auch Ereignisse genannt werden, die in diesen Büchern nicht vorkommen.

Die Geschichte Israels ist eine Geschichte mit dem Gott Israels. Das Geschick Israels ist aufs Engste damit verwoben, wie sich Israel seinem Gott gegenüber verhält. Gott hat dem Volk das Land gegeben, er ist im Tempel mitten unter dem Volk anwesend. Wenn das Volk und seine Könige und Anführer Gott die Ehre geben, wird das Land blühen und wachsen, wie es zur Zeit der Könige David und Salomo der Fall gewesen ist. Wenn aber das Volk und seine Könige und Anführer von Gottes Geboten abweichen, wird das Land von Feinden heimgesucht und im schlimmsten Fall vernichtet, wie bei der Eroberung durch die Babylonier.

Doch ist Geschichte wirklich so einfach? Moderne archäologische Untersuchungen haben festgestellt, dass David und Salomo wohl nicht so bedeutend waren, wie rückblickend in der Bibel geschildert und dass die von den biblischen Geschichtsbüchern verachteten Könige des Nordreichs vermutlich eine größere Blütezeit herbeigeführt haben, als man durch das Lesen der Bibel vermuten würde. Somit wird deutlich, dass die Geschichtsbücher der Bibel neben der Vermittlung historischer Informationen vor allem eine religiöse Komponente haben, die dem historischen Interesse übergeordnet ist. Sie wollen nicht Geschichte um der Geschichte willen vermitteln, sondern sie sehen die Geschichte stets als Spiegel der Beziehung des Volkes mit seinem Gott.

Die letzten Sätze des Buches wollen dem Leser Mut machen:

So spricht Kyrus, der König von Persien: Der Herr, der Gott des Himmels, hat mir alle Reiche der Erde verliehen. Er selbst hat mir aufgetragen, ihm in Jerusalem in Juda ein Haus zu bauen. Jeder unter euch, der zu seinem Volk gehört – der Herr, sein Gott, sei mit ihm -, der soll hinaufziehen. (2Chr 36,23)

Nach dem totalen Versagen der Könige Israels, nach der Katastrophe des Untergangs und der Zerstörung des Tempels, gibt Gott die Chance zu einem Neuanfang. Gott ruft durch den Perserkönig Kyros das Volk wieder heim in sein Land. Sie haben die Chance, es besser zu machen als ihre Väter, sie haben die Chance, an die glorreichen Zeiten der Könige David und Salomo wieder anzuknüpfen.

Die kirchliche Leseordnung präsentiert uns diesen Text am 4. Fastensonntag, dem Sonntag Laetare, an dem mitten in der Österlichen Bußzeit schon ein Schimmer des Osterlichtes durchscheint. Die Österliche Bußzeit ist ja auch so eine Zeit des Neuanfangs, in der wir uns besinnen, über die Zeit hinweg eingeschleifte Fehler entdecken und diese nun vermeiden wollen. Hier ist es auch hilfreich, sich gute Beispiele vor Augen zu führen aus dem Leben der Heiligen, die Worte Jesu zu überdenken, einen Schritt nach vorne zu tun hin zu einem tieferen Glauben und einem Leben nach der Weisung des Herrn.

Wir tun heute religiöse Geschichtsbetrachtungen oft als wertlos ab. Wir wollen die reine Geschichtswissenschaft, ohne Interpretation. Aber gibt es diese? Jeder Historiker lässt seine Weltsicht in sein Werk mit einfließen. Es gibt keine reine Objektivität. Und anders gesehen, wäre eine vollkommen objektive Geschichtswissenschaft nicht eine tote Wissenschaft? Geschichte ist Leben, das Leben von Menschen mit ihren Wünschen und Sehnsüchten, ihren Freuden und Schmerzen und vor allem auch von Menschen mit ihrem Glauben. Menschen brauchen Orientierung, brauchen Vorbilder. Diese liefert uns die Geschichte. Wir müssen sie entdecken, von ihrem Staub befreien und so neu den Menschen unserer Zeit vor Augen stellen.

Geschichte lebt von diesen Vorbildern, sie lebt von Originalen, von Menschen, über die man auch nach ihrem Tod noch Geschichten erzählt. Durch solche Menschen kommt Leben in die Geschichte. Wo aber alles gleich gemacht wird, wo Menschen dem Profit untergeordnet werden, wo jeder nur noch eine Nummer ist, da geht Geschichte zugrunde, da werden wir zu einem Volk ohne Geschichte, das vor sich hindümpelt im Dämmerlicht der Abgaswolken, die auch die trostlosen Reklametafeln der großen Handelsketten nicht zu erhellen vermögen.

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Vorbild

Nehmt mich zum Vorbild, wie ich Christus zum Vorbild nehme. (1Kor 11,1)

Vorbilder, gibt es die heute noch?

Wenn wir Kinder und Jugendliche fragen, wen sie sich als Vorbild ausgesucht haben, welche Antworten werden wir bekommen?

Wie viele von ihnen werden einen bestimmten Heiligen nennen, den sie als Vorbild betrachten?

Wer ist für mich Vorbild?

Und eine andere Frage an jeden von uns: lebe ich selbst so, dass ich Vorbild bin?

Vorbilder müssen ansprechend sein.

Wer Vorbild sein will, muss sich selbst auch immer wieder hinterfragen.

Wenn wir Vorbild im Glauben sein wollen, müssen wir uns an dem einzigen Bild orientieren, das uns Gott gegeben hat: seinen Sohn. Er hat uns gezeigt, wie Gott ist.

Jesus Christus, wie ihn uns die Evangelien zeigen, wie ihn uns die Kirche verstehen lehrt, ist das Bild Gottes, an dem wir uns immer wieder neu orientieren müssen.

Das können wir, weil Jesus, der Sohn Gottes, zugleich das vollkommene Bild von einem Menschen ist, einem Menschen, der nach dem Bild Gottes geschaffen ist.

Wir tragen Gottes Bild in uns und sind berufen, dieses Bild rein und heilig zu halten.

Es ist ein hoher Anspruch, der in dem Satz des Paulus steckt. Prüfen wir uns selbst immer wieder und fragen wir in jeder Situation: Was hätte Christus getan? Ist mein Handeln so, dass es für andere nachahmenswert ist? Täuschen wir uns nicht: jede noch so unscheinbare Begebenheit in unserem Leben ist bedeutsam und es gilt immer aufmerksam zu sein. Doch wie oft denken wir: ach, es ist doch nicht so schlimm, wenn ich es mal nicht so wichtig mit diesem oder jenem nehme, das nächste Mal kann ich mir ja wieder mehr Mühe geben. Es erfordert ein ständiges Ringen mit unserer Trägheit, um nicht in eine unchristliche Lauheit zu verfallen, die unser Leben für niemanden nachahmenswert macht.

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