Lk 14 Jesu Mahl bei den Pharisäern

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Als Jesus an einem Sabbat in das Haus eines führenden Pharisäers zum Essen kam …

So übersetzt die Einheitsübersetzung Lk 14,1, im Original aber heißt es genauer:

zum Brot-Essen.

Wenn wir weiterlesen, stoßen wir in 14,15 auf den Ausruf von einem der Gäste:

Selig, wer im Reich Gottes am Mahl teilnehmen darf!

oder genauer übersetzt:

Selig, wer das Brot essen darf im Reich Gottes.

Der Sabbat beginnt am Freitag-Abend mit einem Gottesdienst in der Synagoge und einem gemeinsamen Mahl zuhause. Das Mahl wird begleitet von verschiedenen Gebetssprüchen. Zu Beginn des Mahles werden die Sabbatbrote, die festlich verhüllt auf dem Tisch stehen, enthüllt und verzehrt. Wahrscheinlich spielt Lukas mit seiner für uns ungewöhnlichen Formulierung des Brot-Essens auf diese Zeremonie an. Jesus hat den Sabbat traditionell im Kreis der Juden in der Synagoge und bei einem vornehmen Gastgeber gefeiert.

Jesus nimmt die Einladung bei dem führenden Pharisäer als Gelegenheit, diesem und den anderen – sicher auch sehr vornehmen – Gästen eine Lehre zu erteilen. Als Gast soll man sich nicht den Ehrenplatz aussuchen und als Gastgeber nicht nur Gleichgesinnte einladen, sondern auch Arme und Kranke. Jesus stellt sich damit offensichtlich gegen das überhebliche Gebaren der Reichen. Johannes Chrysostomus sagt dazu:

Weil der Bescheidenheit nichts gleich kommt, führt er die Hörer zum Gegenteil des Hochmuts: Er verbietet nicht nur das Streben nach dem Ehrenvorrang, sondern er befiehlt sogar, nach dem Geringsten zu trachten.

Doch ist das Wort Jesu nur an vornehme Pharisäer gerichtet?  Wenn wir das Wort Brot hören, denken wir als Christen sofort an ein anderes Brot, die Eucharistie. Brotessen oder Brotbrechen kann so auch eine Umschreibung des christlichen Gottesdienstes sein. Dann erhält das Evangelium einen für die Zeitgenossen des Lukas und auch für uns aktuellen Sinn. Die Worte Jesu sind dann nicht an vornehme Juden gerichtet, sondern meinen indirekt die Mitglieder der christlichen Gemeinde.

Im 11. Kapitel des 1. Korintherbriefs und im 2. Kapitel des Jakobusbriefes hören wir von gravierendem Fehlverhalten während des Gottesdienstes. Da setzen sich die Reichen auf die besten Plätze und den Armen wird ein untergeordneter Platz zugewiesen. Bei der anschließenden Agapefeier lassen die einen es sich gut gehen und sind nicht bereit, mit denen zu teilen, die nichts haben.

Genau solche Missstände werden im heutigen Evangelium kritisiert. Lukas ist ja bekannt als Evangelist, der immer wieder auf die Armen hinweist. Bei ihm heißt es nicht wie bei Matthäus „Selig die Armen im Geiste“, sondern „Selig die Armen“, ganz konkret. Sicher haben Lukas Erfahrungen in den ihm bekannten Gemeinden zu dieser Haltung veranlasst. Lukas will den Menschen deutlich machen: wenn ihr in der Gemeinde solche Unterschiede zwischen Arm und Reich macht, wenn sich die Reichen die Ehrenplätze suchen und die Armen auf die letzten Plätze verwiesen werden, dann handelt ihr nicht im Sinne Jesu. Welchen Platz haben Arme, Krüppel, Lahme und Blinde in der Gemeinde? Was gibt dir, Reicher, die Gewissheit, dass du mehr wert bist als dieser Arme?

Es ist eine ernste Mahnung, die das Evangelium ausspricht, auch für uns heute. Dabei müssen mit den Reichen nicht nur die ganz Reichen gemeint sein. Auch weniger bemittelte Menschen können herabschauen auf die, die noch weniger haben. Es geht hier auch nicht um die Frage der sozialen Hilfe. Diese ist notwendig, aber oft steht der, der gibt, über dem, der empfängt.  Es geht hier vielmehr um die Frage, ob wir bereit sind, andere Menschen, die vielleicht nicht unserem sozialen Status entsprechen, als gleichwertige Mitglieder in der Gemeinde zu betrachten.

Wir wollen also anderen nicht in dieser Hoffnung Gutes erweisen, dass sie es uns vergelten. Denn das ist kalte Berechnung. Daher wird eine solche Freundschaft nicht lange halten. Wenn du aber einen Armen einlädst, wirst du Gott als Schuldner haben, der dich nie vergisst. … Je geringer nämlich der Bruder ist, umso mehr kommt durch ihn Christus und besucht dich. … Es soll uns also nicht stören, wenn wir für eine gute Tat keine Belohnung erhalten, sondern vielmehr wenn wir eine erhalten! Denn wenn wir sie hier bekommen, werden wir dort im Himmel keine weitere mehr erhalten. Wenn aber der Mensch dir nichts als Dank gibt, dann wird Gott es dir dort vergelten. (Johannes Chrysostomus)

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Bescheidenheit

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Die enge Tür (2)

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Das Hindernis der engen Tür besteht nicht darin, dass man deshalb nicht hindurch kommt, weil sich viele Menschen hindurch drängen und man sich etwa mit der Ellenbogentaktik den Weg freiräumen müsste.

Das Hindernis ist in jedem Einzelnen. Der Weg durch die enge Tür ist schwer, weil es gilt, den inneren Schweinehund zu überwinden, der das Einfache und Bequeme sucht. Klein macht sich auch der Demütige, der bereit ist, anderen Menschen zu dienen und nicht in seiner Überheblichkeit auf andere herabschaut. Dann wird sich zeigen, wer auf die richtige Weise Stärke und Ausdauer trainiert hat, um den Weg durch die enge Tür gehen zu können.

Dann werden manche von den Letzten die Ersten sein und manche von den Ersten die Letzten.

Viele, die zuerst begeistert sind, erlahmen später, viele, die zuerst kalt sind, beginnen plötzlich zu brennen. Viele, die in dieser Welt verachtet werden, werden in der kommenden Welt Herrlichkeit und Ehre empfangen, und andere, die bei den Menschen in hohen Ehren stehen, werden am Ende verurteilt werden müssen.
Beda Venerabilis

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Die enge Tür (1)

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Herr, sind es nur wenige, die gerettet werden?

Diese Frage aus dem heutigen Evangelium lässt Jesus bewusst offen. Für den Eintritt in das Himmelreich gibt es keine Garantie, die aus der Zugehörigkeit zu einer gewissen Sekte oder dergleichen stammt, die meinen, die Zahl der Geretteten genau zu wissen. Auch einfach zu sagen: “Wir waren ja dabei …” ist noch keine Eintrittskarte in den Himmel.
Stattdessen richtet Jesus eine eindringliche Mahnung an alle:

Bemüht euch mit allen Kräften, durch die enge Tür zu gelangen!

Mit diesen Worten macht Jesus deutlich, wie sehr der persönliche Einsatz jedes Einzelnen gefragt ist.

Die enge Pforte bezeichnet die Schwierigkeiten, welche die Heiligen in Geduld ertragen.

So sagt Cyrill von Alexandrien. Und Beda Venerabilis schreibt:

Viele werden danach streben, hineinzukommen, weil sie nach dem Heil verlangen, aber sie werde es nicht vermögen, weil sie vor der Härte dieses Weges zurückschrecken.

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Gottes Zeichen

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Am Ende des Jesajabuches kommt noch einmal die Sehnsucht nach einem Heil für die ganze Welt zum Ausdruck, das von Jerusalem ausgeht. In der Zeit des Rückkehrs aus dem Exil in Babylon, in die hinein der Prophet diese Worte spricht, liegt Jerusalem noch darnieder. Die Stadt ist zerstört, der Wiederaufbau mühsam und von allen Seiten bedroht. Der Prophet will den Leuten Mut machen: Was ihr jetzt mühsam aus Trümmern aufbaut, wird wieder eine große Stadt werden, ein leuchtendes Zeichen unter den Völkern.

Gott hat sein Zeichen aufgestellt, die Worte des Propheten sind in Erfüllung gegangen. In Jerusalem hat Gott das Zeichen des Kreuzes aufgestellt, an dem Jesus Christus, Gottes Sohn, gestorben ist. Fortan  leuchtet dieses Zeichen über die ganze Welt und ruft alle Völker in die Gemeinschaft des Heils mit Gott.

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Jeremia in der Zisterne (Jer 38)

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Es ist eine dunkle Zeit, in der Jeremia auftritt. Viel Klage steckt in seinen Worten, aber auch immer wieder die Hoffnung auf das neue Heil. Jeder Tod birgt neues Leben, jeder Untergang auch einen Neuanfang. Aber der Weg dahin ist schwer. Jeremia hat nicht vom bequemen Divan aus schöne Worte gesprochen, sondern hat das Leid und die Dunkelheit seiner Zeit am eigenen Leib erfahren. Jeremia ruft die Bewohner Jerusalems offen dazu auf, zum Feind überzulaufen, um ihr Leben zu retten. Wehrkraftzersetzung würde man das mit modernen Worten bezeichnen oder gar Hochverrat. Das können die Beamten des Königs nicht dulden. Bei aller Sympathie des Königs für Jeremia, er kann sein Leben nicht beschützen. Man wirft ihn in eine Zisterne, in der nur noch Schlamm ist, damit der dort unten jämmerlich stirbt.

Der Kuschiter Ebed-Melech aber, ein Höfling, der im königlichen Palast bedienstet war, hörte, dass man Jeremia in die Zisterne geworfen hatte. Während der König sich am Benjamintor aufhielt, verließ Ebed-Melech den Palast und sagte zum König: Mein Herr und König, schlecht war alles, was diese Männer dem Propheten Jeremia angetan haben; sie haben ihn in die Zisterne geworfen, damit er dort unten verhungert. Denn es gibt in der Stadt kein Brot mehr.
Da befahl der König dem Kuschiter Ebed-Melech: Nimm dir von hier drei Männer mit und zieh den Propheten Jeremia aus der Zisterne herauf, bevor er stirbt. Ebed-Melech nahm die Männer mit sich und ging zum Königspalast in die Kleiderkammer des Vorratshauses. Dort holte er Stücke von abgelegten und zerrissenen Kleidern und ließ sie an Stricken zu Jeremia in die Zisterne hinunter. Dann rief der Kuschiter Ebed-Melech Jeremia zu: Leg die Stücke der abgelegten und zerrissenen Kleider in deine Achselhöhlen unter die Stricke! Jeremia tat es. Nun zogen sie Jeremia an den Stricken hoch und brachten ihn aus der Zisterne herauf. Von da an blieb Jeremia im Wachhof. (Jer 38,1-13)

Deutlich zeigt der Text, wie der König ohne eignen Willen von dem, was um ihn herum geschieht, hin und her gerissen wird. Zunächst muss er seinen Beamten den Wunsch erfüllen, Jeremia in die Zisterne werfen zu lassen. Das wäre der sichere Tod des Propheten gewesen, wenn er nicht einen Fürsprecher gehabt hätte. Der Kuschiter Ebed-Melech, wahrscheinlich ein Farbiger, ein Ausländer aus dem mächtigen, südlich von Ägypten gelegenen Reich der Nubier, tritt für Jeremia ein. Er macht den König auf das Unrecht aufmerksam, das Jeremia wiederfahren ist. Detailliert wird die Rettungsaktion für den Propheten beschrieben.

Der König befiehlt Ebed-Melech, drei Männer mitzunehmen. In der königlichen Kleiderkammer suchen sie brauchbare Kleidungsreste, die sie an Stricken befestigen und zu Jeremia in die Zisterne herunterlassen. Jeremia soll sich den Stoff in die Achselhöhlen unter die Stricke legen. Somit wird verhindert, dass Jeremia sich verletzt, während ihn die vier Männer aus der Zisterne ziehen.

Blicken wir auf den Mut des Ebed-Melech. Im Gegensatz zu den Beamten, hatte er nur eine untergeordnete Stellung am Königshof. Was genau seine Aufgabe war, wissen wir nicht. Wir wissen auch nicht, in welchem Verhältnis er zu Jeremia stand. Was lag ihm an dem Propheten? Mit seinem Eintreten für Jeremia riskiert er sein eigenes Leben. Man hätte ihn zu Jeremia in die Zisterne werfen können, damit beide dort sterben. Aber der König hört auf ihn. So wird das Leben des Propheten gerettet. Der Name von Ebed-Melech bleibt durch die Jahrhunderte hindurch ein Zeichen dafür, wie auch kleine Menschen etwas bewegen können.

Es ist eben nicht so, dass einfache Menschen als kleines Rädchen im großen Getriebe eines Staates nichts ausrichten könnten. Das wird allzu leicht als Entschuldigung dafür hergenommen, weil man sich nicht traut, den Mund aufzumachen. Die da oben entscheiden doch, was geschieht, ich kann nichts machen. Wie oft hört man auch heute diesen Satz. Dabei kann ein einfacher Mensch, wenn er nur den Mut hat, für seine Überzeugung einzutreten, den Lauf der Geschichte verändern. Vielleicht kann uns das des sogenannte Gelassenheitsgebet, das wahrscheinlich auf den Theologen Reinhold Niebuhr zurückgeht, hier eine Hilfe sein:

Gott, gib mir die Gelassenheit,
Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

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Der Prophet Jeremia

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Das Buch des Propheten Jeremia hat eine komplizierte Überlieferungsgeschichte. Neben Sprüchen des Propheten sind auch viele Berichte über sein Leben überliefert. Einen solchen Geschichtsblock stellen die Kapitel 36-45 dar. Sie zeigen wichtige Ereignisse im Auftreten des Propheten unmittelbar vor der Eroberung Jerusalems im Jahr 586 v.Chr. Um diese Ereignisse besser zu verstehen, ist eine kurze historische Einordnung nötig.
Unter der langen Regierungszeit des Königs Joschija (640 bis 609 v.Chr.) erlebte das Reich Juda eine Phase des Aufschwungs. Grund dafür war die Schwäche des assyrischen Reiches. Dieses hatte im Jahr 722 v.Chr. das Nordreich Israel erobert und stellte seither auch eine Bedrohung Judas dar. Nun waren die Assyrer durch die aufkommende Macht des neubabylonischen Reiches selbst unter Druck geraten, doch das durch die Schwäche des assyrischen Reiches entstandene Machtvakuum währte nicht lange. Zunächst war es Ägypten, das seinen Einfluss nun wieder weiter in den Norden ausdehnen wollte. Ab etwa 612 v.Chr. kam es zu militärischen Auseinandersetzungen zwischen Juda und Ägypten, in deren Folge König Joschija im Jahre 609 auf dem Schlachtfeld umkam. Der Pharao setzte Eljakim, den Halbbruder des Joahas, zum neuen König ein. Eljakim nannte sich von nun an Jojakim und regierte in den Jahren 609 bis 598 v. Chr.

Hatten die Ägypter kurzzeitig die Kontrolle über Juda gewinnen können, so wurden sie bald von dem nun immer stärker werden neubabylonischen Reich zurückgedrängt. Nach ihrem Sieg über die Ägypter in der Schlacht von Karkemisch im Jahr 605 v.Chr. konnten die Neubabylonier unter Nebukadnezzar endgültig ihre Machtposition festigen und machten Juda zu einem Vasallenstaat. Mit dieser Situation wollte sich König Jojakim aber nicht abfinden und lehnte sich im Vertrauen auf ägyptische Hilfe gegen Nebukadnezzar auf. Im Jahr 598 v.Chr. erschien Nebukadnezzar vor Jerusalem und belagerte die Stadt. Jojakim starb während dieser Belagerung, sein Sohn Jojachin öffnete Nebukadnezzar die Tore der geschwächten Stadt. Daraufhin kam es zur ersten Deportation der Juden in die babylonische Gefangenschaft, von der vor allem König Jojachin und die Oberschicht Jerusalems betroffen waren.

Nebukadnezzar setzte in Jerusalem Zidkija, einen Sohn Joschijas, als Vasallenkönig ein (597-587 v.Chr.). Er ist der letzte König des Reiches Juda und es wird von vielen Zusammentreffen zwischen ihm und dem Propheten Jeremia berichtet. Die Warnung des Propheten missachtend lehnte er sich im Vertrauen auf ägyptische Hilfe gegen Nebukadnezzar auf. Dies führte zur erneuten Eroberung und Zerstörung Jerusalems durch Nebukadnezzar und zum Ende des Reiches Juda im Jahr 587 v.Chr. Zidkija war ein schwacher König, der nicht viel vermochte gegen seine mächtigen Beamten. Es ist aber immer leicht, aus der Ferne zu urteilen. Hätte man doch damals so und so gehandelt. Warum hat man so lange auf Ägypten gesetzt, warum gerade auf Ägypten, das doch selbst Israel und Juda so geknechtet hat. Große geschichtliche Linien kann man immer erst im Abstand der Jahrhunderte ziehen. Wenn man selbst mitten in die komplexen Ereignisse der Geschichte verwoben ist, sieht die Lage ganz anders aus. Und wer weiß, was spätere Generationen über unsere Zeit sagen werden. Warum haben sie damals nicht erkannt, dass …

Es gibt manchmal Ereignisse in der Geschichte, die unabwendbar eintreten. Es gibt eine Zeit der Entscheidung, in der noch alles offen ist. Doch dann fallen gewisse Entscheidungen, Fronten verhärten sich und dann nimmt die Geschichte ihren Lauf. Warum musste ein so starkes Reich wie das Römische Reich untergehen? Warum fand das große christliche byzantinische Reich ein so trauriges Ende? Warum kamen die Türken bis an die Tore Wiens? Warum kam es zur Hölle der beiden Weltkriege? Wir könnten diese Liste unendlich fortsetzen.

Wir fühlen uns heute auf der Seite der Sieger. Europa und allen europäischen Ländern voran Deutschland zählt zu den reichsten Gegenden der Welt. Wir leben in einer Umgebung von Freiheit und Wohlstand, wie es sie in diesem Ausmaß wohl noch nie gegeben hat. Doch immer stärker werden die Bedrohungen dieses Zustandes erfahrbar. Im Innern bröckelt die Solidarität unter den Menschen. Wenige Menschen werden immer reicher, während viele immer ärmer werden. Viele Menschen wissen nicht mit ihrer Freiheit umzugehen und öffnen so die Tür für neue Formen der Unfreiheit. Von außen drängen die Menschen heran, auf deren Kosten wir uns so lange bereichert haben. Unsere Verschwendung und Gier zerstören die Erde. Wo führt uns diese Entwicklung hin?

Zu allen Zeiten treten Mahner auf, deren Blick über den eigenen Tellerrand hinausgeht. Sie warnen vor Fehlentwicklungen, solange diese noch revidiert werden können. Doch ihnen wird nur selten Gehör geschenkt. Der Blick der Menschen geht oft nur in eine Richtung und ist blind für Alternativen. Die politischen Führer bleiben ihrer Linie treu, solange es irgendwie geht. Erst eine Katastrophe kann diese Linie stoppen.

Eine solche Katastrophe war auch das Ende Jerusalems. Doch wir wissen heute, dass es nicht das Ende war. Jede Katastrophe birgt in sich auch die Möglichkeit zu einem Neuanfang. Nach dem Untergang traten Propheten auf, die dem Volk neuen Mut machten. Auch wenn es damals keiner geglaubt hätte, aber nach einigen Jahren werden die Juden freudig aus dem Exil in Babylon zurückkehren und die Trümmer Jerusalems wieder aufbauen. Aber zunächst kam eine schwere Zeit über Juda und seine Bewohner. Viele verloren alles, was sie hatten, viele mussten sterben.

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Edith Stein

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Gottes Heilige Nacht

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Jene Nacht wurde unseren Vätern vorher angekündigt; denn sie sollten zuversichtlich sein und sicher wissen, welchen eidlichen Zusagen sie vertrauen konnten. So erwartete dein Volk die Rettung der Gerechten und den Untergang der Feinde. Während du die Gegner straftest, hast du uns zu dir gerufen und verherrlicht. Denn im Verborgenen feierten die frommen Söhne der Guten ihr Opferfest; sie verpflichteten sich einmütig auf das göttliche Gesetz, dass die Heiligen in gleicher Weise Güter wie Gefahren teilen sollten, und sangen schon im Voraus die Loblieder der Väter. (Weish 18,6-9)

Die Nacht, von der hier die Rede ist, ist die Nacht des Auszugs Israels aus Ägypten, der den Höhepunkt von Gottes Rettungstat an Israel darstellt. Das Pessach-Fest, das in dieser Nacht gefeiert wurde, ist bis heute das höchste Fest des Judentums. Vorangegangen waren lange, erfolglose Verhandlungen zwischen Mose und dem Pharao. Gott hat Ägypten mit vielen Plagen gestraft, doch immer wieder hat der Pharao seine Zustimmung zum Auszug Israels aus Ägypten widerrufen.

Im Kapitel 12 des Buches Exodus gibt Gott durch Mose dem Volk detaillierte Anweisungen, wie das Pessach-Fest begangen werden soll. Das Volk soll es feiern in Bereitschaft zum Aufbruch, die Hüften gegürtet, Schuhe an den Füßen. Es wird gefeiert als Mahl in der Familie. Während jedoch die Juden feiern, geht Gottes Würgeengel im Land Ägypten um und tötet alle Erstgeburt der Ägypter. Erst dieses grausame Ereignis veranlasst die Ägypter, Israel endlich aus dem Frondienst zu entlassen und in das gelobte Land ziehen zu lassen.

Die Nacht des Heils für das Volk Israel wird zugleich zu einer Nacht des Schreckens für Ägypten. Bis heute können wir nicht verstehen, warum Gott diesen Weg gegangen ist, um sein Volk zu befreien. Doch alle anderen Plagen, mit denen Ägypten geschlagen wurde und die großes Leid über das Volk gebracht haben, konnten das Herz des Pharao nicht erweichen. Er blieb hart und deshalb kam es zum Äußersten, daher mussten Unschuldige sterben.

Den neuen Bund, in den wir als Christen mit Gott stehen, schließt Gott nicht mehr mit dem Blut Unschuldiger. Hier macht sich Gott selbst zum Opfer für die Sünden der Menschen, wie wir im Exsultet der Osternacht singen:

O unfassbare Liebe des Vaters: Um den Knecht zu erlösen, gabst du den Sohn dahin!

Auch wir Christen feiern in dieser Nacht unsere Befreiung. In deutlichen Anklängen an den Exodus Israels heißt es im Exsultet, dem großen Osterlob:

Gekommen ist das heilige Osterfest, an dem das wahre Lamm geschlachtet ward, dessen Blut die Türen der Gläubigen heiligt und das Volk bewahrt vor Tod und Verderben.

Dies ist die Nacht, die unsere Väter, die Söhne Israels, aus Ägypten befreit und auf trockenem Pfad durch die Fluten des Roten Meeres geführt hat.

Dies ist die Nacht, in der die leuchtende Säule das Dunkel der Sünde vertrieben hat.

Dies ist die Nacht, die auf der ganzen Erde alle, die an Christus glauben, scheidet von den Lastern der Welt, dem Elend der Sünde entreißt, ins Reich der Gnade heimführt und einfügt in die heilige Kirche.

In der Nacht geschieht Großes, Außergewöhnliches. Der Tag ist zum Arbeiten da, Alltag sagen wir. Da sind wir eingebunden in die gewöhnlichen Abläufe unseres Lebens. In der Nacht erholen wir uns vom Tag, der Schlaf gibt uns neue Kraft. Doch auch im Schlaf geschieht etwas, wir haben Träume, unser Gehirn verarbeitet die Eindrücke des Tages, manchmal finden wir im Schlaf der Nacht die Lösung eines Problems, über das wir am Tag vergeblich nachgedacht haben.

In der Nacht aber geschehen auch entscheidende Ereignisse. Wenn andere schlafen, kann unbeobachtet geschehen, was tagsüber nicht möglich ist. Nicht nur Diebe nutzen die Ruhe der Nacht. Wer mit anderen gemeinsam wacht, kann Erfahrungen machen, die am Tag nicht möglich sind. Viele große Heilige haben die Nächte im Gebet verbracht und so zu einer besonderen Begegnung mit Gott gefunden.

In der Nacht zu wachen ist mühsam, wir sind es gewohnt, zu schlafen. Wir brauchen unseren Schlaf. Aber doch gibt es Nächte, in denen es sich lohnt, zu wachen, weil wir sonst Entscheidendes verpassen. Gottes Volk hat im Verborgenen das Pessach-Fest gefeiert. Die Israeliten haben sich darauf vorbereitet, die Ägypter wussten von nichts. So entstand eine Gemeinschaft, ein Bund der Wachenden mit Gott. Und dem gemeinsamen Mahl folgte der Aufbruch.

Gott schläft nie. Gott ist immer da, gegenwärtig. Wenn die Geräusche des Tages verklingen, kann in der Stille der Nacht eine besondere Begegnung mit Gott geschehen. Im Großen und im Kleinen, vorbereitet und unvorbereitet, allein oder in Gemeinschaft, die Nacht bietet immer die Möglichkeit, tiefer mit Gott in Beziehung zu treten. Vielleicht hilft uns dieser Gedanke auch dann, wenn wir einmal eine unbeabsichtigt schlaflose Nacht haben.

Eine schlaflose Nacht ist immer eine lästige Sache. Aber sie ist erträglich, wenn man gute Gedanken hat. Wenn man daliegt und nicht schläft, ist man leicht ärgerlich und denkt an ärgerliche Dinge. Aber man kann auch seinen Willen brauchen und Gutes denken. (Hermann Hesse)

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Johannes Maria Vianney, Heiliger Pfarrer von Ars

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Dem Pfarrer von Ars ging es um das Heil der Seelen. Die Menschen kamen zu ihm, weil sie sich von ihm eine besondere Art der Vergebung versprachen. Sicher, im Sakrament wirkt Gott und gewährt die Vergebung der Sünden unabhängig von der Heiligkeit des Priesters. Doch Vianney hatte in besonderer Weise die Gabe der Seelenschau, mit der er seine Beichtkinder zu einer tieferen Erkenntnis ihrer Sünden führte und damit auch eine tiefe Reue ermöglichte. Vianney sagte klar, dass Sünde die Schuld des Menschen ist. Noch wichtiger aber war es ihm zu sagen, wie sehr sich Gott danach seht, den Menschen zu vergeben. Er konnte nie verstehen, warum Menschen das Angebot der Liebe Gottes ausschlagen konnten.

Ich weiß, dass wir schwach sind, dass wir in die Sünde fallen können. Trotzdem ist es unsere Schuld, denn der liebe Gott verwehrt uns seine Gnade nicht. Aber in der Sünde zu verharren, wo man doch alle Mittel hat, um sich von ihr befreien zu können – das konnte ich nie verstehen.

Wie kann man für die Wohltaten des Bußsakraments unempfänglich sein? Weil man die Wohltaten der göttlichen Barmherzigkeit überhaupt nicht sucht, die in diesem Sakrament so grenzenlos zu finden sind.

Der Pfarrer von Ars besaß die Fähigkeit, direkt in die Seelen der Menschen zu blicken. Die Menschen waren gefesselt, wie er es vermochte, Sünden klar zu benennen, eine tiefe Gewissenserforschung und Reue hervorzurufen und gleichzeitig die Liebe Gottes im Verzeihen spürbar werden zu lassen.

Die Beichte ist das Sakrament, in dem Gott seine Gerechtigkeit zu vergessen scheint, um nur sein Erbarmen zu zeigen. Seine größte Freude ist es, uns zu verzeihen. Machen wir also dem Vater diese Freude: Kehren wir um zu ihm, und wir werden glücklich!

Menschen jeden Standes und Ranges, Reiche und Arme, Gelehrte und selbst Würdenträger der Kirche, wie der Bischof seiner Diözese kamen zu ihm. Hier gab es jemanden, der erkannte, was sie quälte, wofür sie sich schämten und bei ihm konnten sie es Gott übergeben, konnten sie ihre Sünden abladen, weil sie wussten, dass der heilige Priester sie zusammen mit ihnen vor Gott trug. Johannes Maria Vianney trug auch selbst schwer an den Sünden der Menschen. Er übernahm in Stellvertretung für andere einen großen Teil der Bußleistung. So sagte er über seine Beichtkinder:

Ich gebe ihnen eine kleine Buße, den Rest leiste ich selber für sie.

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