Der Prophet Habakuk

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Über den Propheten Habakuk wissen wir nicht viel. Die moderne Forschung geht davon aus, dass der Prophet Habakuk um das Jahr 600 v.Chr. in Jerusalem aufgetreten ist. In seinem Worten spiegelt sich die unruhige Zeit vom Beginn der Eroberungen des neubabylonischen Reiches im Vorderen Orient bis kurz vor dem Untergang Jerusalems wieder. Nach der Schlacht bei Karkemisch im Jahr 605 v.Chr. fiel Nebukadnezzar der ganze Vordere Orient zu und seine Vormachtstellung war nun gesichert. Im Jahr 597 v.Chr. kam es dann zur ersten Belagerung Jerusalems.

In dieser Zeit ist das Ende der alten Ordnung deutlich erkennbar und die Menschen blicken auf eine ungewisse Zukunft, von der man nicht weiß, ob sie das Ende alten Unrechts oder noch größeres Unrecht bringen wird. Während der König und die Oberschicht in Jerusalem noch relativ sorglos leben und sich durch Ausbeutung des Volkes bereichern, kommt der Untergang immer näher. Die Rufe des Propheten nach Recht und Gerechtigkeit verhallen ins Leere.

Der Prophet stellt sich die Frage nach dem Warum. Warum muss Jerusalem, Gottes geliebte Stadt, so leiden, warum lässt Gott ihren Untergang zu. Warum dürfen die Feinde mit solch gewaltiger Macht und Brutalität gegen Gottes Volk vorgehen? Gott lässt das Strafgericht zu, doch auch die Neubabylonier als Vollstrecker dieses Gerichts werden bestraft werden.

“Bis wann noch, DU!” habe ich gefleht und du hörst nicht, ich schreie zu dir: “Gewalt !” und du befreist nicht.

So klingt Hab 1,2 eindrücklich in den Worten Martin Bubers. Was als Klage an Gott gerichtet ist, ist eine Klage über das Tun der Menschen. Nicht Gott übt Gewalt. Die Menschen tun einander Gewalt an. Das Böse hat die Macht und drückt mit gnadenloser Grausamkeit die Hilflosen und Schwachen nieder. Warum lässt Gott das zu? Warum lässt er in seinem Volk das zu? Warum lässt er zu, dass die Gerechtigkeit, für die Gottes Gesetz steht, unwirksam, ja machtlos ist?

Der Prophet versucht zu verstehen. Nur, wenn Gott Herr ist über alle Völker, ergibt das alles einen Sinn. Dann hat er die Macht, fremde Völker zu rufen, um das Strafgericht über sein Volk auszuführen, aber er hat auch die Macht, die fremden Völker in ihre Schranken zu weisen und sein Volk wieder aufzurichten.

Es bleibt die Mahnung, es mit der Gerechtigkeit ernst zu nehmen. Gott steht für Gerechtigkeit ein. Auch wenn zunächst die Mächte der Gewalt erfolgreich zu sein scheinen, wenn der ungerechte Reichtum immer mehr wächst, so geht das nicht endlos so weiter. Es wird eine Zeit kommen, in der ein gerechter Zustand wiederhergestellt wird, auch wenn es dazu zunächst einer Phase noch größerer Gewalt bedarf. Gottes Zusage an den Gerechten bleibt unerschütterlich bestehen.

Es kommt und bleibt nicht aus: Wer nicht rechtschaffen ist, schwindet dahin, der Gerechte aber bleibt wegen seiner Treue am Leben. (Hab 2,2-4)

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Das Gleichnis vom reichen Mann und dem armen Lazarus

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Es war einmal ein reicher Mann, der sich in Purpur und feines Leinen kleidete und Tag für Tag herrlich und in Freuden lebte. Vor der Tür des Reichen aber lag ein armer Mann namens Lazarus, dessen Leib voller Geschwüre war. Er hätte gern seinen Hunger mit dem gestillt, was vom Tisch des Reichen herunterfiel. Stattdessen kamen die Hunde und leckten an seinen Geschwüren. (Lk 16,19-21)

Da liegt ein armer Bettler vor der Tür eines reichen Mannes, zur Zeit Jesu und auch zu anderen Zeiten ein vertrautes Bild. Normalerweise kann ein Bettler darauf hoffen, von dem, was im Haushalt eines Reichen übrig bleibt, etwas abzubekommen und davon satt zu werden. Doch der reiche Prasser im Evangelium gewährt dem armen Schlucker nicht einmal diese kleine Gunst. Im Evangelium hat der Arme sogar einen Namen – Lazarus. Der Reiche bleibt namenlos und das sicher nicht ohne Grund. Gregor der Große sagt dazu:

Bemerke wohl, dass die Leute gewöhnlich viel eher die Namen der Reichen wissen als die der Armen. Der Herr aber nennt den Namen des Armen – und den des Reichen nicht. Denn Gott kennt und anerkennt die Niedrigen, und die Stolzen kennt er nicht.

Als nun der Arme starb, wurde er von den Engeln in Abrahams Schoß getragen. Auch der Reiche starb und wurde begraben. In der Unterwelt, wo er qualvolle Schmerzen litt, blickte er auf und sah von weitem Abraham, und Lazarus in seinem Schoß. (Lk 16,22-23)

Lazarus stirbt und ebenso der reiche Mann. Lazarus wird in Abrahams Schoß getragen, der Reiche jedoch leidet Qualen in der Unterwelt. Wir wollen nicht darüber nachdenken, ob Jenseitsvorstellungen wie diese der Wirklichkeit entsprechen oder nicht. Ich wehre mich auch gegen eine Deutung, die nur auf eine Vertröstung auf das Jenseits ausgerichtet ist. Sicher will uns Jesus mit diesem Gleichnis nicht sagen, dass wir uns um die Armen keine Sorgen machen müssten, weil sie ja für ihr Elend auf Erden im Himmel umso mehr mit Glück beschenkt werden.

Die kritische Person im Evangelium ist der reiche Prasser. Er hat keinen Namen und wird so zu einer Mahnung an uns alle, dass wir nicht werden wie er! Aus den Worten des Evangeliums entnehmen wir deutlich, dass er seine Chance auf ein gelungenes Leben vertan hat. Seinen ganzen Luxus kann er nicht mit ins Grab nehmen. Hätte er nur ein klein wenig mehr auf seine Mitmenschen geachtet, würde es ihm jetzt nicht so schlimm ergehen. Ich denke, Jesus will uns darauf hinweisen, dass wir unser Leben bewusst leben und unsere Augen und Herzen offen halten sollen, um im entscheidenden Moment richtig – das heißt barmherzig – zu handeln.

Lazarus wird nach seinem Tod direkt in Abrahams Schoß getragen. Die Juden verbanden damit die Vorstellung von einem Ort der größten Sicherheit und Geborgenheit, von einem Ort des höchsten Glücks. Dies darf nun der genießen, der in seinem Leben nichts Gutes erfahren hat.

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Der Prophet Amos (3)

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Weh den Sorglosen auf dem Zion und den Selbstsicheren auf dem Berg von Samaria. Ihr liegt auf Betten aus Elfenbein und faulenzt auf euren Polstern. Zum Essen holt ihr euch Lämmer aus der Herde und Mastkälber aus dem Stall. (Am 6,1.4)

Trinken und Schmausen, dass sich die Tische biegen. Anschaulich schildert der Prophet Amos hier das Treiben der Oberschicht von Samaria und gibt uns damit zugleich eine Vorlage für das heutige Evangeliumvom reichen Mann und dem armen Lazarus (Lk 16). Dabei geht es nicht um eine Kritik des fröhlichen Feierns an sich. Das wollen weder Jesus noch der Prophet verbieten, vergleicht doch Jesus selbst oft das Reich Gottes mit einem Festmahl.

Der Prophet Amos und Jesus im Gleichnis, beide kritisieren die Ungerechtigkeit, die daraus resultiert, dass Menschen nur für sich Reichtümer anhäufen und nicht bereit sind, mit anderen zu teilen. Genau an diesem Punkt sind wir in unserer Gesellschaft auch heute wieder angekommen, und daher sind diese Worte, obwohl sie aus ferner Zeit stammen (der Prophet Amos lebte etwa vor 2750 Jahren), heute genau so aktuell wie damals.

Nicht jede Armut ist heilig, und nicht jeder Reichtum verbrecherisch. Luxus und Verschwendung aber machen den Reichtum verwerflich, ebenso wie Heiligkeit die Armut adelt. (Johannes Chrysostomus)

Es geht hier um die Gier, für sich möglichst viel herauszuholen, ohne Rücksicht auf andere. Das totale Streben nach absolutem Profit ohne Rücksicht auf Nachhaltigkeit und Folgeschäden. Wir erleben das heute wieder katastrophal in unserem allein auf Wachstum ausgelegten Wirtschaftssystem. Die Zahlen müssen stimmen, egal, ob dabei anderen Menschen, den entlassenen Arbeitnehmern hier oder den Armen in fernen Ländern, ihre Existenzgrundlage geraubt wird. Menschen werden von ihrem Land vertrieben, müssen unter menschenunwürdigen Bedingungen arbeiten und verdienen nicht einmal das zum Leben notwendige.

In diesen Kreislauf der Ungerechtigkeit sind wir alle verstrickt. Unsere Kleidung, unsere Nahrung, unsere technischen Geräte, es gibt kaum etwas, das ohne soziale Ungerechtigkeit produziert wird. Denken wir daran, dass unsere von der Werbung angetriebene Schnäppchenjagd und der Wunsch, immer mehr immer billiger zu kaufen nur zu Lasten anderer Menschen gehen kann?

Bei uns heute sind es nicht die Tische, die sich unter den feinen Speisen biegen, die Symbol für unseren Reichtum sind. Vielleicht kennen sie den modernen Begriff des ökologischen Fußabdrucks, der anzeigt, wie stark wir die Erde zertrampeln und anderen den Platz zum Leben rauben.

Wenn auch der arme Lazarus heute nicht mehr sichtbar vor unserer Türe liegt, so gibt es ihn doch, in Afrika, Asien oder sonst wo. Wir alle sind der Reiche im Evangelium. Da hilft es nicht viel, wenn wir nur das eine oder andere Produkt bio oder fair kaufen oder einige Euro spenden. Als Christen müssen wir anfangen, uns radikal gegen das sich immer stärker etablierende System globaler Ausbeutung zu stellen. Der Prophet Amos und Jesus stellen uns klar vor Augen was geschieht, wenn wir hier unserer Verantwortung nicht gerecht werden.

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Der Prophet Amos (2)

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Wir wollen mit Geld die Hilflosen kaufen, für ein paar Sandalen die Armen. Sogar den Abfall des Getreides machen wir zu Geld. (Am 8,6)

Sind die Worte des Propheten Amos nicht heute genauso aktuell wie damals? Meint man nicht auch heute, aus allem Geld machen zu müssen? Was keinen Profit einbringt, zählt nichts. Und billig muss es sein. Unsere Kleidung und andere Güter werden in fernen Ländern für einen Hungerlohn produziert. Menschen und Umwelt werden gnadenlos ausgebeutet.
Doch wir vergessen die Folgen unseres Tuns. Damals wurde wenige Jahre nach dem Auftreten des Amos das Nordreich von den Assyrern erobert und verschwand für immer von der Landkarte. Bei uns merken wir nun langsam, aber mit deutlich zunehmender Geschwindigkeit, dass die Probleme, die wir weit in der Ferne wähnten, plötzlich bis an unsere Haustüre gekommen sind.
Doch Panikmache und Stammtischparolen nützen hier wenig. Es gibt positive Ansätze, die weiterverfolgt werden müssen. Es gilt, mit Vertrauen in die Zukunft zu blicken und die nötigen Schritte zu erkennen und dann auch bereit zu sein, diese zu tun. Das Buch Amos endet nicht mit düsteren Weissagungen, sondern mit einem Heilswort. Vertrauen wir darauf, dass dieses Heil auch unserem Haus Europa gilt, wenn wir unser Verhalten ändern und wieder mehr auf das Wohl von Mensch und Umwelt achten, auf Recht und Gerechtigkeit sehen, anstatt auf Reichtum und Profit.

An jenem Tag richte ich die zerfallene Hütte Davids wieder auf und bessere ihre Risse aus, ich richte ihre Trümmer auf und stelle alles wieder her wie in den Tagen der Vorzeit. Seht, es kommen Tage – Spruch des Herrn -, da folgt der Pflüger dem Schnitter auf dem Fuß und der Keltertreter dem Sämann; da triefen die Berge von Wein und alle Hügel fließen über. Und ich pflanze sie ein in ihrem Land und nie mehr werden sie ausgerissen aus ihrem Land, das ich ihnen gegeben habe, spricht der Herr, dein Gott. (Am 9,11.13.15)

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Der Prophet Amos (1)

Amos

Die Worte, die Amos, ein Schafzüchter aus Tekoa, in Visionen über Israel gehört hat, in der Zeit, als Usija König von Juda und Jerobeam, der Sohn des Joasch, König von Israel waren, zwei Jahre vor dem Erdbeben. (Am 1,1)

Der Prophet Amos wirkte um das Jahr 750 im Nordreich Israel und ist der älteste Prophet, von dem uns ein eigenes Buch überliefert ist. Von seiner Herkunft her stammt Amos aber aus dem Südreich Juda. Er bezeichnet sich als Schafzüchter aus Tekoa, also nicht als Propheten. Dennoch weiß er sich von Gott von Gott berufen, sein Wort zu verkünden.

Ich bin kein Prophet und kein Prophetenschüler, sondern ich bin ein Viehzüchter und ich ziehe Maulbeerfeigen. Aber der Herr hat mich von meiner Herde weggeholt und zu mir gesagt: Geh und rede als Prophet zu meinem Volk Israel! (Am 7,14-15)

Amos tritt als Kritiker an einer Gesellschaft auf, in der es an Gerechtigkeit fehlt, das Recht des Stärkeren zählt und die Reichen die Armen unterdrücken. Nach dem Tod König Salomos wurde Israel in das Südreich Juda und das Nordreich Israel geteilt. Beide litten unter den Angriffen ihrer Nachbarvölker. Unter Jerobeam II. aber kam es im Nordreich nach einer langen Periode kriegerischer Auseinandersetzungen wieder zu Ruhe, Frieden und wirtschaftlichem Aufschwung. Doch davon profitierte nur eine kleine Oberschicht. Die einfache Bevölkerung geriet immer mehr in Armut und Abhängigkeit. Die Reichen verstanden es, sich durch ungerechte Machenschaften immer mehr zu bereichern.
Gott wird in den Reichsheiligtümern, allen voran Bet-El, mit einem pompösen Kult verehrt. Doch feiert die Oberschicht nicht einfach nur sich selbst durch diesen Kult? Die staatlich angestellten Hofpropheten tun ihr Übriges dazu, dass sich die Reichen im Recht sehen und ob ihres Reichtums in besonderem Maße als von Gott auserwählt wähnen. Aber sie denken nicht an die Verantwortung, die der Reichtum mit sich bringt, und streben nur danach, sich immer mehr zu bereichern.
Da tritt der Prophet Amos als Störenfried auf. Er ruft seine Worte einer Gesellschaft zu, die meint in höchster Blüte zu stehen und nicht merkt, dass sie fast tot ist. Einer seiner markantesten Sprüche lautet:

Sucht das Gute, dann werdet ihr leben! (Am 5,14)

Aber wir leben doch und das nicht schlecht, werden viele bei diesen Worten gedacht haben. Und überhaupt: was will dieser Fremde aus dem Südreich Juda hier bei uns? Er soll doch wieder nach Hause gehen.
Doch Amos bleibt. Er weiß sich von Gott als Prophet berufen. Er hat seine Heimat, seine Herde und seine Maulbeerfeigen verlassen. Er folgt dem Auftrag Gottes: “Geh und rede als Prophet zu meinem Volk Israel!” Er ist frei und braucht in seinen Reden auf niemand Rücksicht zu nehmen. Er gehört nicht zu den Hofpropheten, die nur gefällige Sprüche sprechen dürfen, weil sie sonst um ihr Einkommen fürchten müssten.
Er verkündet den Ruf Gottes nach Gerechtigkeit. Gott verabscheut die pompösen Gottesdienste, die fetten Opfer und den Lärm der Lieder, weil er nicht mit dem Leben zusammengeht. Es nützt nichts, auf der einen Seite Gottesdienst zu feiern und dann hinauszugehen und Unrecht zu begehen. Leben und Gottesdienst müssen in Einklang zueinander stehen. Das Unrecht macht das Land kaputt. Mag es auch Reichtum bringen, am Ende bringt es den Tod. Nur die Gerechtigkeit bringt Leben.

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Das Gleichnis vom klugen Verwalter (2)

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Am Ende des Gleichnisses steht die Warnung Jesu:

Kein Sklave kann zwei Herren dienen; er wird entweder den einen hassen und den andern lieben, oder er wird zu dem einen halten und den andern verachten. Ihr könnt nicht beiden dienen, Gott und dem Mammon. (Lk 16,13)

Wenn Christus die beiden Herren gegenüberstellt, Gott und Mammon, so bedeutet das nicht, dass er sie gleichwertig sieht. Nur Gott ist Herr. Es gibt keinen Herren außer ihm. Der Mammon wird Herr genannt, weil er den Menschen beherrscht. Gottes Herrschaft aber öffnet dem Menschen den Weg zu wahrer Freiheit und einen erfüllten Leben.

Siehst du, wie ganz allmählich der Herr die Zuhörer von den irdischen Dingen abzieht, indem er zum wiederholten Mal auf die Verachtung des Besitzes zu sprechen kommt, und so die Tyrannei der Habsucht bricht? … Wenn er aber sagt: “Kein Sklave kann zwei Herren dienen”, so sind unter den zweien hier solche zu verstehen, von denen der eine das Gegenteil des anderen befiehlt. Denn wäre dies nicht der Fall, so wären es auch nicht zwei. Jesus aber will zeigen, dass die Bekehrung zum Besseren ganz leicht ist. Damit du nämlich nicht sagst: Ich bin ein für allemal zum Sklaven des Mammon geworden, ich bin von der Geldgier beherrscht, so zeigt er, dass eine Umkehr möglich ist, und dass man, wie vom ersten zum zweiten, so auch vom zweiten zum ersten kommen kann. … Die Liebe zum Geld nimmt den Verstand ein wie eine Festung, sendet von da aus täglich ihre Befehle aus, die jeglicher Ungerechtigkeit voll sind, und es gibt keinen, der ihr den Gehorsam versagen würde. Grüble also nicht über nutzlose Ausflüchte nach. Gott hat einmal sein Urteil gefällt und gesagt, es sei nicht möglich, zugleich dem einen und dem anderen zu dienen. Behaupte also nicht du, es sei möglich. … “Herr” aber nennt Christus hier den Mammon, nicht ob dessen besonderer Natur, sondern wegen der erbarmungswürdigen Lage derer, die sich unter sein Joch gebeugt haben. … Es ist in der Tat ein unaussprechliches Unheil, das diese trifft, Streit, Verwünschungen, Händel, Elend, Blindheit der Seele. Das Schlimmste von allem aber ist, dass ein solcher der höchsten Gnaden verlustig geht, nämlich der Dienstschaft Gott. So hat also der Herr auf jede Weise gezeigt, wie die Verachtung des Geldes so nützlich ist gerade zur Bewahrung des Geldes, sowie zum Glück der Seele, zur Erlangung wahrer Lebensweisheit und zur Sicherung der Frömmigkeit.
Johannes Chrysostomus

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Das Gleichnis vom klugen Verwalter (1)

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Und der Herr lobte die Klugheit des unehrlichen Verwalters und sagte: Die Kinder dieser Welt sind im Umgang mit ihresgleichen klüger als die Kinder des Lichtes. Ich sage euch: Macht euch Freunde mit Hilfe des ungerechten Mammons, damit ihr in die ewigen Wohnungen aufgenommen werdet, wenn es mit euch zu Ende geht. (Lk 16,8-9)

Durch Freigebigkeit gegenüber den Armen nämlich sollen wir uns die Gunst der Engel und der übrigen Heiligen erwerben. Der Verwalter erfährt auch keinen Tadel. Wir ersehen daraus, dass wir selbst nicht Herren, sondern nur Verwalter fremden Eigentums sind. Hat nun jener auch gefehlt, wird er gleichwohl gelobt, weil er sich aus der Barmherzigkeit des Herrn Kapital für die Zukunft geschlagen hat. Sinnig aber sprach der Herr vom “ungerechten” Mammon, denn die Habsucht versucht unser Herz durch die mannigfachen Lockungen des Reichtums zu verleiten, auf dass wir willentliche Sklaven des Reichtums werden. (Ambrosius)

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Hildegard von Bingen

Hildegard_Himmel

Im Himmel ist meine Heimat,

dort begegne ich auch den Geschöpfen;

Gottes Liebe ist mein Verlangen,

den Turm der Sehnsucht will ich errichten.

 

Was du, Gott, willst, das will ich tun.

Mit den Flügeln des guten Willens

fliege ich über des Himmels Gestirne,

um deinen Willen zu tun.

 

Nichts mehr bleibt mir zu suchen und zu wünschen,

ich sehne mich nur noch nach Dir.

Lass mich, o Gott, dein Saitenspiel sein

und der Zitherklang deiner Liebe.

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14.9. Kreuzerhöhung

Ehre sei dir, o Herr! Du hast dein Kreuz wie eine Brücke über den Tod gespannt, damit die Menschen darüber vom Land des Todes in das des Lebens schreiten können.

Ephräm der Syrer

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13.9. Hl. Notburga

NotburgaDie hl. Notburga gehört zu den großen Volksheiligen, deren Verehrung tief in der heimischen Frömmigkeit verwurzelt ist, über deren Leben es aber keine im Sinn der modernen Geschichtswissenschaft stichhaltigen Angaben gibt. Sie ist vor allem in Tirol und im südlichen Bayern bekannt. Ihr Grab befindet sich in der Wallfahrtskirche St. Notburga in Eben am Achensee, deren Hochaltar den Reliquienschrein mit den kostbar verzierten Gebeinen der Heiligen enthält. Im Jahr 1862 wurde Notburga durch Papst Pius IX. offiziell als Heilige für die gesamte Kirche anerkannt, da sie seit unvordenklicher Zeit bis in die Gegenwart ununterbrochen öffentlich als Heilige verehrt wurde.

Anfang des 17. Jahrhunderts sammelte der fromme Haller Stiftsarzt Hippolyt Guarinoni die in der Bevölkerung verbreiteten Erzählungen über die Heilige und verfasste im Jahr 1622 eine Lebensbeschreibung. Demnach wurde Notburga um das Jahr 1265 als Tochter einfacher Hutmacherleute im damals noch bayerischen Rattenberg am Inn geboren. Mit 18 Jahren trat sie auf der nahen Rottenburg in den Dienst als Küchenmagd und Beschließerin bei der dortigen Grafenfamilie. Sie war tüchtig und fromm und verteilte darüber hinaus Brot und Wein an die Armen.

Als der alte Graf starb, verbot dessen Sohn, wahrscheinlich auf dem Betreiben seiner hartherzigen Gattin hin die Armenspeisung. Notburga solle die Reste vom Tisch besser an die Schweine verfüttern. Dennoch verteilte Notburga heimlich Speise und Trank an die Armen, es heißt, dass sie diese Gaben von ihrer eigenen Ration nahm. Eines Tages wurde sie vom jungen Grafen dabei ertappt, wie sie den Armen Brot und Wein bringen wollte. Er stellte sie zur Rede, aber als Notburga ihre Schürze öffnete, waren statt Brot Hobelspäne darin und im Krug statt Wein bittere Lauge. Das Wunder erinnert an das Rosenwunder der hl. Elisabeth von Thüringen. Dennoch musste Notburga die Burg verlassen und suchte das Rupertkirchlein in Eben auf, das sie vom Schloss aus auf der anderen Seite des Inn oft im Blick gehabt hatte.

In Eben trat Notburga eine Stelle als Magd beim Spießenbauer an, wo sie fünf Jahre blieb. Mit dem Bauer hatte sie ausgehandelt, dass sie nach dem abendlichen Gebetsläuten, das auch das Ende der Feldarbeit angab, und an Feiertagen keine Arbeit zu verrichten hatte, sondern sich ganz dem Gebet widmen durfte. Das abendliche Gebetsläuten als Gruß an die Gottesmutter und Gedenken an die Menschwerdung Christi verbreitete sich übrigens gerade zu dieser Zeit von einem Franziskanischen Brauch her in der ganzen Kirche. Sicher hat die Notburga-Legende einen wichtigen Beitrag zur Festigung dieses bis heute tief im katholischen Glauben verwurzelten Gebetsbrauchs geleistet.

Als der Bauer in der Erntezeit diese Regel außer Kraft setzen wollte, ereignete sich das zweite bekannte Wunder der hl. Notburga. Der Bauer verlangte, dass sie nach dem Gebetsläuten den Weizenschnitt fortsetzen sollte und verbot ihr, die Sichel an ihren Platz im Geräteschuppen zu hängen. Daraufhin bat Notburga Gott, ein Zeichen zu setzen. Sie hängte ihre Sichel einfach in der Luft an einem Sonnenstrahl auf, wo sie in der Luft schwebend hängen blieb.

Während Notburgas Abwesenheit ging es dem jungen Grafen und seiner Frau nicht gut. Viele verließen die Burg, weil es sich dort nicht mehr gut leben ließ. Erst als die Frau des jungen Grafen starb und er eine neue Ehe einging, besserte sich die Situation. Die neue Gräfin war liebevoller als die erste Frau. Auch Notburga kehrte auf die Rottenburg zurück und durfte dort die Betreuung der Armen wieder aufzunehmen. 18 Jahre lang diente sie als Köchin und Erzieherin der fünf Kinder auf der Burg. Eine Urkunde aus dem Jahre 1337 berichtet, dass sich die Rottenburger Grafen verpflichtet haben, mehr als 300 Arme zu versorgen.

Notburga starb wahrscheinlich am 14. September 1313. Nach ihrem Tod ereignete sich das dritte Wunder. Ihrem Wunsch gemäß wurde ihr Sarg auf einen Wagen geladen und Ochsen sollten ihn an den Ort ziehen, an dem sie bestattet werden sollte. Der Leichenzug durchquerte auf wundersame Weise den Inn und blieb vor dem Rupertkirchlein in Eben stehen. Dort wurde die Heilige begraben. Die erste urkundliche Erwähnung der Heiligen stammt aus dem Jahr 1434. Damals wurde das Rupertkirchlein nach einer Erweiterung neu geweiht und als Kapelle zur hl. Notburga bezeichnet. Im 16. Jahrhundert ließ Kaiser Maximilian die Kirche neu bauen. 1735 wurden Notburgas sterbliche Überreste als Ganzkörperreliquie in die Kirche von Eben überführt.

Die Verehrung der hl. Notburga reicht über Eben und Tirol hinaus in die Steiermark, nach Bayern, Slowenien, Kroatien und Istrien. Sie ist ein Idealbild christlicher Nächstenliebe und Frömmigkeit. Dargestellt wird sie in der ländlichen Kleidung einer Dienstmagd, Ährenbündel und Schlüssel verweisen auf ihre Tätigkeit, Brot, Kanne und Sichel auf die beiden bekanntesten Wunder. Sie ist Patronin der Dienstboten, der Bauern und der Armen.

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