Gottes Festmahl (Jes 25)

Der Herr der Heere wird auf diesem Berg für alle Völker ein Festmahl geben mit den feinsten Speisen, ein Gelage mit erlesenen Weinen, mit den besten und feinsten Speisen, mit besten, erlesenen Weinen. (Jes 25,6)

Der Prophet Jesaja spricht von einem Festmahl Gottes. Der Text steht im Zusammenhang der Jesaja-Apokalypse, die die Kapitel 24 bis 27 umfasst. Dort geht es zunächst um das Gericht Gottes über die Erde. In düsteren Worten malt Jesaja aus, wie die Feste auf der Erde verschwinden und die Bewohner darben, bis schließlich die Erde selbst zerbricht.

Doch dann ändert sich das Bild. Nach den Worten vom Untergang der Erde folgt eine befreiende Schilderung über Gottes neue Welt. Auf dem Zion, seinem heiligen Berg, wird Gott die Gerechten zum Mahl laden. Feinste Speisen, erlesenste Weine, unübertrefflich ist das, was Gott hier anbietet. Gott bereitet ein Festmahl, das größer und freudiger ist als jedes irdische Festmahl. Doch es kommt nicht allein auf Essen und Trinken an. Bei diesem Festmahl besteht auch eine innige Gemeinschaft, ein fester und friedlicher Zusammenhalt aller Menschen aus allen Nationen und letztlich auch eine unverhüllte Gemeinschaft mit Gott.

Er zerreißt auf diesem Berg die Hülle, die alle Nationen verhüllt, und die Decke, die alle Völker bedeckt. (Jes 25,7)

Es gibt zu allen Zeiten die Sehnsucht, dass die Menschen friedlich zusammenleben, dass es keine Schranken mehr gibt zwischen Stämmen und Nationen. Heute ist die Welt so nahe zusammengerückt wie noch nie. Früher unüberwindbare Distanzen kann man heute in wenigen Stunden bewältigen. In den Städten leben Menschen aus allen Teilen der Erde zusammen.

Wir haben die Vision einer friedlichen, multikulturellen Gesellschaft. Zugleich aber werden die Gräben deutlich, die noch zwischen den Menschen verschiedener Kulturen bestehen. Es ist nicht einfach, alle Menschen zusammenzubringen. Zu groß sind die Vorurteile auf allen Seiten, zu unterschiedlich aber auch die Vorstellungen von einem Zusammenleben. Nicht alle Menschen sind friedfertig und gut. Viele Menschen streben nach Macht. Das schafft Konflikte. Wird es uns gelingen, schon hier auf Erden eine friedliche multikulturelle Gesellschaft aufzubauen, oder bleibt dies für immer eine Vision, die nur Gott in seinem Reich verwirklichen kann?

Er beseitigt den Tod für immer. Gott, der Herr, wischt die Tränen ab von jedem Gesicht. Auf der ganzen Erde nimmt er von seinem Volk die Schande hinweg. Ja, der Herr hat gesprochen. (Jes 25,8)

Gott kümmert sich um die Menschen. Es wird eine Zeit kommen, in der der Tod ein Ende haben wird, in der es keine Trauer und kein Leid mehr geben wird. Zu allen Zeiten fragen Menschen nach dem „Warum?“. Warum müssen wir sterben, warum müssen wir leiden? Warum hat Gott eine Welt geschaffen, in der es Leid und Tod gibt?

Die Heilige Schrift versucht, mit der Erzählung vom Sündenfall darauf eine Antwort zu geben. Gott hat für den Menschen die beste aller Welten geschaffen. Zu dieser Welt gehört aber auch die Freiheit des Menschen. Und in dieser Freiheit kann sich der Mensch gegen das Gute entscheiden und bringt so das Leid in die Welt, Tod, Streit und Krieg. Es wird aber ein Tag kommen, an dem Gott die Menschen vom Bösen befreien wird, mit dem sie sich eingelassen haben.

Lassen wir die Vision des Jesaja auf uns wirken, das Festmahl der Völker in Frieden und Freude. Vielleicht gelingt es uns ja, die Macht des Bösen hier auf Erden in Grenzen zu halten. Es ist die Entscheidung eines jeden, an jedem Tag und zu jeder Stunde, welchen Weg er wählt, den Weg des Hasses oder den Weg der Liebe, den Weg der Abgrenzung oder den Weg der Freundschaft, den Weg der Angst oder den Weg der Zuversicht.

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Dankbarkeit (Phil 4)

Sorgt euch um nichts, sondern bringt in jeder Lage betend und flehend eure Bitten mit Dank vor Gott! (Phil 4,6)

Paulus will, dass die Gläubigen aus einer Grundhaltung des Vertrauens leben, dass Gott sich um alles kümmert, wenn es uns zuerst um ihn und sein Reich geht, wie es auch Jesus in der Bergpredigt gesagt hat.

„Seid nicht ängstlich besorgt“, so lässt sich dieser Text besser übersetzen. Dann wird klarer, was Paulus meint. Die ängstliche Sorge, die uns davon abhält, zuversichtlich in die Zukunft zu sehen. Dies und das könnte schief gehen und die bange Frage: Schaffe ich das überhaupt … Wir kommen nicht voran, weil wir nicht den Mut haben, den ersten Schritt zu tun.

Gott braucht Menschen, die mutig sind, die sich hinaus wagen in die Welt, die sich trauen, die frohe Botschaft zu verkünden und die auch anderen zurufen. „Habt keine Angst, Gott hat euch erlöst!“ Wo hören wir in unserer Kirche diesen Ruf der Zuversicht? Da werden Pläne ausgearbeitet, wie man die immer kleiner werdenden Gemeinden mit immer weniger Priestern gerade noch so „versorgen“ kann. In den Gemeinden machen die einzelnen Gruppen und Kreise ihr Programm wie eh und je, aber man klagt, dass der Nachwuchs fehlt. Wie soll es weitergehen?

Allem Anschein nach stehen wir an einer Zeitenwende, an der die Gesellschaft des Abendlandes, die sich in den letzten Jahrhunderten herausgebildet hat, durch etwas Neues abgelöst wird. Wir wissen nicht, was auf uns zukommt, wir sind aber auch nicht hilflos diesem Schicksal ausgeliefert. Wir können die Zukunft aktiv mitgestalten. Auch wenn vieles sich verändern mag, Jesus Christus bleibt derselbe gestern, heute und morgen. An ihn können wir uns halten und er wird uns halten.

Paulus will nicht die Sorgen und Nöte der Menschen einfach weg wischen. Sie sind weiterhin da, wir dürfen Gott um Hilfe bitten in allem was uns Angst macht. Aber in diesem Bittgebet soll stets auch der Dank enthalten sein. Dieser eröffnet die Perspektive dafür, dass die jetzige Not nicht alles ist, sondern dass Gott hilft, ja dass er bereits Hilfe geschenkt hat, noch ehe ich ihn darum gebeten habe. Das Leben ist nicht nur Not und Armseligkeit. In jedem Leben – wirklich in jedem! – gibt es etwas, das auch des Dankes und der Freude würdig ist. Das gilt es zu entdecken, dafür gilt es offen zu sein.

Ich finde es immer etwas befremdlich, wenn Menschen in ihrem Bittgebet gefangen sind. Sie rufen Gott ständig um Hilfe an, fast schon zwanghaft. Gott mach dies, Gott mach das. Es scheint hier das Befreiende des Gebets zu fehlen, das gerade durch den Dank dafür zum Ausdruck kommt, dass Gott bereits geholfen hat.

Das Gebet soll also nach der Absicht des Apostels nicht bloß Bitte sein, sondern auch Danksagung für das, was wir haben. Denn wie kann man um das Zukünftige bitten, wenn man für das Frühere nicht dankbar ist? … Für alles muss man danken, selbst für das, was uns widerwärtig scheint, denn dadurch bewährt sich die wahre Dankbarkeit. Das Bitten wird ja schon durch die Natur der Dinge gefordert, das Danken aber kommt aus einer erkenntlichen und innig an Gott hängenden Seele. Solche Gebete finden bei Gott Anerkennung; von den andern will er nichts wissen. So müsst ihr beten, sollen eure Anliegen kund werden vor Gott. Denn er ordnet alles zu unserem Besten, auch wenn wir es nicht einsehen. Ja gerade der Umstand, dass wir es nicht einsehen, ist ein Beweis dafür, dass es uns sicher zum Besten gereicht. (Johannes Chrysostomus)

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Das Weinberglied (Jes 5)

Ich will ein Lied singen von meinem geliebten Freund, ein Lied vom Weinberg meines Liebsten. (Jes 5,1a)

Mit dem Weinberglied beginnt die sogenannte Immanuelschrift. Sie umfasst den Abschnitt Jesaja 5,1-9,6 und gilt als Kern der Worte des Propheten. Im Mittelpunkt steht die Verheißung des Immanuel (Jes 7,1-25). Das Weinberglied (Jes 5,1-7) stellt den kunstvollen Prolog zu dieser Schrift dar. Es folgen Wehrufe und Worte des Zorns über Israel (Jes 5,8-30). Die Wichtigkeit der Immanuel-Verheißung wird durch die Schilderung der Berufung des Propheten (Jes 6,1-13) verstärkt.

Der Prophet singt ein Lied von einem Weinberg, dem Weinberg eines Freundes. Am Ende des Liedes wird kein Geringerer als der Herr der Heere, der Gott Israels, als der Besitzer des Weinbergs genannt. Der Weinberg ist das Haus Israel. Aber auch ohne diese Erklärung wird sofort klar, dass der Prophet über das Verhältnis Gottes zu seinem Volk spricht.

Das Lied beginnt als Liebeslied, es wird der geliebte Freund genannt und seine Fürsorge für den Weinberg. In seiner Liebe tut er alles erdenklich mögliche, um einen hohen Ertrag aus dem Weinberg zu erzielen. Er wählt einen fruchtbaren, hochgelegenen Platz, in dem die auf guten Boden gepflanzten Rebstöcke die besten Bedingungen zu gutem Wachstum haben. Er entfernt Steine, baut eine schützende Mauer und eine Kelter.

Mein Freund hatte einen Weinberg auf einer fruchtbaren Höhe. Er grub ihn um und entfernte die Steine und bepflanzte ihn mit den edelsten Reben. Er baute mitten darin einen Turm und hieb eine Kelter darin aus. Dann hoffte er, dass der Weinberg süße Trauben brächte, doch er brachte nur saure Beeren. (Jes 5,1b-2)

Plötzlich auf seinem Höhepunkt bricht das Liebeslied abrupt ab. Es ist etwas geschehen, was diese Liebe stört. Der Weinberg bringt statt der süßen Trauben nur saure und faulige Beeren hervor. Warum? Woran liegt es, dass die erhofften Früchte für einen guten Wein ausbleiben? Eines steht fest: es liegt nicht an der mangelhaften Fürsorge des Besitzers. Er hat alles Nötige und mehr als das getan. Der Prophet ruft die Einwohner Judas und Jerusalems auf, sich selbst ihr Urteil zu bilden über das, was hier geschehen ist.

Nun sprecht das Urteil, Jerusalems Bürger und ihr Männer von Juda, im Streit zwischen mir und dem Weinberg! Was konnte ich noch für meinen Weinberg tun, das ich nicht für ihn tat? Warum hoffte ich denn auf süße Trauben? Warum brachte er nur saure Beeren?
Jetzt aber will ich euch kundtun, was ich mit meinem Weinberg mache: Ich entferne seine schützende Hecke; so wird er zur Weide. Seine Mauer reiße ich ein; dann wird er zertrampelt. Zu Ödland will ich ihn machen. Man soll seine Reben nicht schneiden und soll ihn nicht hacken; Dornen und Disteln werden dort wuchern. Ich verbiete den Wolken, ihm Regen zu spenden. (Jes 5,3-6)

Dem Besitzer des Weinbergs ist die Freude an seinem Weinberg vergangen. All seine Kraft und Fürsorge hat er in ihn gesteckt und doch wollte keine süße Beere darin reifen. In seiner Wut zerstört er den Weinberg. Er entfernt seinen Schutz, so dass Tiere die Reben fressen und zertrampeln. Ohne Pflege verkommen die Reben und werden von Dornen und Disteln überwuchert. Der grüne Weinberg wird zum Ödland, nicht einmal mehr Regen fällt auf ihn.

Ja, der Weinberg des Herrn der Heere ist das Haus Israel und die Männer von Juda sind die Reben, die er zu seiner Freude gepflanzt hat. Er hoffte auf Rechtsspruch – doch siehe da: Rechtsbruch, und auf Gerechtigkeit – doch siehe da: Der Rechtlose schreit. (Jes 5,7)

Wie aus einem sorgfältig angelegten Weinberg ein Stück Ödland werden kann, konnten sich damals alle Leute vorstellen, haben es vielleicht schon selbst gesehen. Auch für uns ist dies ein leicht verständliches Bild. Wie diesem Weinberg wird es Juda und Jerusalem ergehen. Das einst blühende Land wird von den Feinden verwüstet. Schuld daran sind seine Bewohner, vor allem die Mächtigen, die das Recht brechen und nur ihren eigenen Gewinn suchen. In den folgenden Wehrufen wird der Prophet dies noch präzisieren.

Jesaja sagt zu einer Zeit, in der es Juda und Jerusalem noch relativ gut gegangen ist, der Stadt und dem Land den Untergang voraus. Es sind harte Worte, die niemand hören wollte. Doch Jesaja muss sie sagen, denn so, wie es jetzt ist, kann es nicht weitergehen. Doch er prophezeit nicht nur den Untergang, sondern auch den Neuanfang, den Gott mit seinem Volk machen wird in der Gestalt des Emmanuel, des „Gott mit uns“.

Immer wieder braucht es Menschen, die ihren Finger auf die Wunde der Gesellschaft legen. Immer wieder wächst die Ungerechtigkeit in Staaten, wenn der Wohlstand wächst, aber die Mächtigen immer mehr für sich beanspruchen und die Zahl der Armen steigt. Immer wieder führt ein solches Szenario in die Katastrophe und es braucht einen Neuanfang. Echte Propheten zeigen neben ihrer Kritik auch die Chance dieses Neuanfangs auf. Gott führt die Menschen nicht ins Verderben, sondern er will die Rettung der Menschen.

Aus christlicher Sicht wird die Verheißung des Emmanuel auf Jesus Christus hin gedeutet. Er ist der „Gott mit uns“, in dem Gott den Menschen auf unüberbietbare Weise seine Nähe zeigt. Auch das Weinberglied hat einen Anklang im Neuen Testament, im Gleichnis von den bösen Winzern (Mt 21,33-46 und Parr.). In diesem Gleichnis wird Gott mit einem Gutsbesitzer verglichen, der genau wie im Weinberglied geschildert, einen Weinberg anlegt. Im Gleichnis aber sind es die vom Gutsbesitzer eingesetzten Verwalter, die ihm seinen Anteil an dem Ertrag verwehren. Der Weinberg bringt Frucht, aber die Verwalter wollen sie für sich allein, daher werden sie mit Gewalt abgelöst und der Weinberg anderen übergeben.

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Ezechiel 18 – Umkehr ist möglich

So spricht der Herr: Ihr sagt: Das Verhalten des Herrn ist nicht richtig. Hört doch, ihr vom Haus Israel: Mein Verhalten soll nicht richtig sein? Nein, euer Verhalten ist nicht richtig. Wenn der Gerechte sein rechtschaffenes Leben aufgibt und unrecht tut, muss er dafür sterben. Wegen des Unrechts, das er getan hat, wird er sterben. Wenn sich der Schuldige von dem Unrecht abwendet, das er begangen hat, und nach Recht und Gerechtigkeit handelt, wird er sein Leben bewahren. Wenn er alle Vergehen, deren er sich schuldig gemacht hat, einsieht und umkehrt, wird er bestimmt am Leben bleiben. (Ez 18,25-28)

Das Evangelium am vergangenen Sonntag hat uns gezeigt: Ja oder Nein, nicht das bloße Wort zählt, sondern die Entscheidung zum Handeln gibt den Ausschlag. Nicht der Sohn, der zwar „Ja“ sagt, sich dann aber gegen dieses „Ja“ entscheidet erfüllt den Willen des Vaters, sondern der Sohn, der zunächst „Nein“ sagt, dann aber doch der Bitte des Vaters Folge leistet. Der Text aus dem Propheten Ezechiel gibt uns eine Erläuterung zu diesem Gleichnis.

Ezechiel spricht seine Worte in die Zeit des Untergangs der Stadt Jerusalem. Er ist zusammen mit vielen Einwohnern der Stadt bereits in der Verbannung in Babylon, die in Jerusalem Verbliebenen werden bald folgen. Sie glauben, dass ihr Schicksal die Strafe ist für die Verfehlungen der Generation ihrer Eltern. Doch Ezechiel macht deutlich, dass es ihre eigene Schuld ist. Sie werden nicht für die Taten ihrer Eltern bestraft. Sie selbst sind es, die nicht verstanden, worauf es ankommt. Sie vertrauen auf den Gott Israels, den sie mit ihren Lippen ehren, ihr Tun aber ist ganz anders. Heimlich verehren sie auch andere Götter und missachten das Gesetz Gottes.

Ihr Denken ist verkehrt. Sie sagen sich: Gott hat Israel erwählt. Er wird Jerusalem beschützen, egal was wir tun. Wir sind Gottes auserwähltes Volk. Doch die Erwählung Gottes bedarf auch ständig ihrer Annahme durch den Menschen. Gott erwartet von seinen Erwählten ein Leben, das dieser Erwählung entspricht. Die Menschen können sich nicht auf ihr Erwähltsein verlassen. Die Erwählung zeigt sich in einem Bund zwischen Gott und dem Volk Israel. Zu diesem Bund gehören auch die Gebote. Wenn das Volk diese Gebote Gottes missachtet, läuft es Gefahr, den Status des Erwähltseins zu verlieren.

Gott ist treu, er steht zu seiner Erwählung Israels, und darum gibt er auch immer wieder die Möglichkeit der Umkehr. Wenn die Eltern gesündigt haben, haben die Kinder dennoch die Möglichkeit, es besser zu machen. Immer wenn Menschen erkennen, dass sie dem Bund mit Gott nicht entsprochen haben, schafft Gott den Raum für eine Umkehr. Wer sich aber auf sein Erwähltsein verlässt und sich bewusst immer weiter von Gottes Geboten entfernt, der läuft Gefahr, den Status der Erwählung zu verlieren.

Herr, lass mich meine Fehler erkennen,
gib mir den Mut, einzusehen, wo ich deinem Willen nicht entsprochen habe.
Gib mir die Kraft, umzukehren, die Kraft, loszulassen, was mich von dir trennt.
Du wartest stets auch mich mit deinen geöffneten Armen.
Lass mich zu dir eilen in die Arme deiner Barmherzigkeit.

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Heiliger Franziskus

Allmächtiger, ewiger, gerechter

und barmherziger Gott!

Verleihe uns Elenden,

um deiner selbst willen das zu tun,

von dem wir wissen, dass du es willst,

und immer zu wollen, was dir gefällt,

damit wir, innerlich geläutert, innerlich erleuchtet

und vom Feuer des Heiligen Geistes entflammt,

den Fußspuren deines geliebten Sohnes,

unseres Herrn Jesus Christus, folgen können

und allein durch deine Gnade

zu dir, Allerhöchster, zu gelangen vermögen,

der du in vollkommener Dreifaltigkeit

und in einfacher Einheit lebst und herrschst

und verherrlicht wirst als allmächtiger Gott

von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

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Philipper 2 – Jesu Beispiel

Seid untereinander so gesinnt, wie es dem Leben in Christus Jesus entspricht. (Phil 2,5)

Paulus stellt der Gemeinde von Philippi, in der es Rangeleien um Führungspositionen und Einfluss gibt, das Beispiel Jesu vor Augen:

Er war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, wie Gott zu sein, sondern er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich. Sein Leben war das eines Menschen; er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz. (Phil 2,6-8)

Paulus betont hier, dass Jesus Christus Gott gleich war. Er war, wie wir glauben, vor allen Zeiten beim Vater, im Geheimnis der Dreifaltigkeit eins mit dem Vater und dem Heiligen Geist. Doch er behielt dieses Gott-Sein nicht für sich, er kam als gewöhnlicher Mensch auf diese Erde.

Jesus gibt so ein Beispiel der Demut. Demut bedeutet nicht, sich hinten anzustellen, nichts zu tun, weil man nichts kann. Demut bedeutet, die eigenen Fähigkeiten einzubringen, aber dabei nicht auf das Ansehen bei den Menschen aus zu sein, nicht nach Macht zu gieren, sondern einfach das zu tun, was man kann, weil man weiß, dass es so gut ist.

Wir erleben oft, wie Menschen sich an Machtpositionen klammern. Sie mögen große Fähigkeiten haben. Aber wenn ein Mensch seine Machtposition höher stellt als seine Fähigkeiten, hat das negative Auswirkungen auf die ganze Gemeinschaft. Andere, die auch ihre Fähigkeiten einbringen wollen, werden an den Rand gedrängt, weil einer um seine Macht fürchtet. Die Vielfalt, die eine lebendige Gemeinschaft auszeichnet, nimmt ab, weil andere Meinungen von der Führungsperson zurückgedrängt werden. Manche dieser Führungspersonen legitimieren ihr Verhalten gar mit einer Verantwortung, die sie für die Gemeinschaft hätten, wobei ihre Verantwortung eher darin bestünde, von ihrem Machtanspruch abzurücken, und Raum für neue Ideen zu schaffen. Es bedürfte der Stärke, loszulassen, aber dem steht die Angst vor Machtverlust entgegen.

Jesus hielt nicht an der Macht seiner Gottheit fest. Er ließ seine Macht los, kam als einfacher Mensch. Er hat getan, was ihm als gut und richtig erschien, hat nicht anderen nach dem Mund geredet, sondern deutlich seine Meinung gesagt. Er hat seine Meinung aber nicht mit Gewalt durchgesetzt. Wer ihm glaubte und ihm folgte, gehörte zu seiner Gemeinschaft, die anderen bekämpfte er nicht, sondern versuchte sie nur durch Wort und Beispiel zu überzeugen. Er ist schließlich für seine Auffassung von der Gerechtigkeit Gottes in den Tod gegangen. Er hielt nicht fest an seinem Leben. Er wusste: die Wahrheit entfaltet ihre Kraft in der Schwachheit. Sie lässt sich nicht mit Gewalt durchsetzen, sondern nur durch Menschen, die bereit sind, jede Anhänglichkeit an die Macht loszulassen, die aber trotzdem zu ihren Überzeugungen stehen und bereit sind, dafür sogar in den Tod zu gehen.

Aus menschlicher Sicht ist dies ein Paradox, aber Gottes Macht setzt sich auf andere Weise durch, als wir Menschen es erwarten würden. Wie viel Unrecht ist geschehen, weil auch die Kirche meinte, die Gerechtigkeit Gottes mit menschlicher Gewalt durchzusetzen. Wieviel Unrecht ist geschehen, weil sich auch in der Kirche immer wieder Menschen an ihre Macht geklammert haben und nicht bereit waren, loszulassen und Raum zu schaffen für das Wirken Gottes. Gott kann die Gräben der menschlichen Machtkämpfe überwinden, aber nur, wenn wir bereit sind, auf unsere Macht zu verzichten.

Jesus hat den Tod am Kreuz angenommen, war bereit, die absolute Machtlosigkeit auf sich zu nehmen. Doch Gott hat so seine Macht und Gerechtigkeit aufgerichtet und aus der Niedrigkeit wurde Christus wieder erhöht an den Platz, der ihm seit Ewigkeit gebührt zur Rechten des Vaters und von nun an preisen ihn alle Zungen.

Darum hat ihn Gott über alle erhöht und ihm den Namen verliehen, der größer ist als alle Namen, damit alle im Himmel, auf der Erde und unter der Erde ihre Knie beugen vor dem Namen Jesu und jeder Mund bekennt: „Jesus Christus ist der Herr“ – zur Ehre Gottes, des Vaters. (Phil 2,9-11)

So endet der große Christushymnus des Philipperbriefes mit einem triumphalen Schlussakkord. Jesus Christus ist der Herr! In diesen Ruf sollen alle einstimmen. Christus ist der Herr der Welt, er ist mein Herr, der Herr meines Lebens.

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Erntedankfest

Vielen Menschen in den Städten ist es gar nicht mehr bewusst, wie Getreide, Obst und Gemüse reifen und geerntet werden. Das war früher anders. Als noch viele auf dem Land lebten und arbeiteten, waren die Menschen enger mit dem Kreislauf der Natur verbunden und wussten um die Bedeutung der Natur für die Ernte. Sie wussten, wie sehr eine gute Ernte nicht nur von der Arbeit des Menschen, sondern auch von gutem Wetter abhängt. Die Ernte war also nicht nur die Frucht der Mühe des Menschen sondern auch ein Geschenk, ein Geschenk von Gott, der alles geschaffen hat und erhält. Das Erntedankfest in eine Art von vielen, Gott dafür Dank zu sagen.

Wenn die Arbeit auf dem Feld beendet ist und die Früchte geerntet sind, ist es ein uralter Brauch, Gott Dank zu sagen für die Gaben, die er uns geschenkt hat. Wir danken ihm mit Gebeten und Liedern für die vielen Früchte, die er hat wachsen lassen. Wir danken ihm, dass wir das ganze Jahr hindurch zu essen und zu trinken haben.

Herr, wie zahlreich sind deine Werke! Mit Weisheit hast du sie alle gemacht, die Erde ist voll von deinen Geschöpfen. (Ps 104,24)

So heißt es in Psalm 104. Der ganze Psalm ist voll vom Lob Gottes, der alles so wunderbar geschaffen hat und am Leben erhält.

Du lässt Gras wachsen für das Vieh, auch Pflanzen für den Menschen, die er anbaut, damit er Brot gewinnt von der Erde und Wein, der das Herz des Menschen erfreut, damit sein Gesicht von Öl erglänzt und Brot das Menschenherz stärkt. (Ps 104,14-15)

Gott schenkt uns Menschen durch seine Schöpfung das, was uns am Leben erhält, das tägliche Brot. Gott lässt das Getreide wachsen, das der Mensch durch seine Arbeit anbaut. Doch Gott schenkt noch viel mehr. Gott schenkt uns auch Dinge, die uns erfreuen sollen, wie den Wein für fröhliche Feste mit lieben Menschen oder das Öl für die Schönheitspflege.

Denken wir heute am Entedankfest einmal darüber nach, welche Dinge für uns notwendig, lebens- notwendig sind. Denken wir an die Menschen, die dafür gearbeitet haben. Sagen wir auch Gott Dank dafür!

Welche Dinge machen mir besonders Freude? Was sehe ich als das schönste Geschenk in meinem Leben an? Danke, Gott, dafür! Danke Gott, dass wir uns von deiner Fülle beschenken lassen dürfen!

Wir sagen dir Dank, guter Gott,
für die Schönheit deiner Erde und des Meeres,
für den Reichtum der Berge, Ebenen und Flüsse.
Wir sagen dir Dank, Herr,
für die Vögel des Himmels,
die Fische in den Meeren und Flüssen,
für die ganze Tierwelt, die sich auf Erden regt.
Für all diese guten Gaben loben wir dich und bitten,
dass wir Menschen sie schützen mögen,
um ihrer selbst willen und für die,
die nach uns kommen.
Hilf uns, dass wir wachsen in Dankbarkeit
für deine reiche Schöpfung
und in unserer Freude an ihr,
zur Ehre und zum Preis deines Namens,
jetzt und für alle Zeit.
Amen.

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Ja oder Nein (Mt 21)

Was meint ihr? Ein Mann hatte zwei Söhne. Er ging zum ersten und sagte: Mein Sohn, geh und arbeite heute im Weinberg! Er antwortete: Ja, Herr!, ging aber nicht. Da wandte er sich an den zweiten Sohn und sagte zu ihm dasselbe. Dieser antwortete: Ich will nicht. Später aber reute es ihn und er ging doch. (Mt 21,28-30)

Heute ist es üblich geworden, alles zu bewerten. „Gefällt mir“ – „Gefällt mir nicht“, der entsprechende Button wartet unter Artikeln, Bildern und Videos darauf, einfach angeklickt zu werden. Personen sammeln „Likes“, scheinbar um so einen Indikator dafür zu haben, wie toll sie sind. Alles soll heute bewertet werden, das Hotel, das Restaurant und selbst die öffentliche Toilette. Wir gewöhnen uns daran, und geben unsere Bewertung ab, oft vielleicht, ohne viel darüber nachzudenken.

So haben es wohl auch die beiden Söhne im Gleichnis getan. Der erste Sohn sagt sofort Ja. Der Vater erwartet von mir, dass ich ihm helfe, wenn ich Nein sage, gibt es wieder endlose Diskussionen. Er gibt dem Vater gegenüber also seine Wertung ab: Arbeit im Weinberg, „Gefällt mir“, da geh ich hin. Aber diese Wertung war etwas voreilig. Der Vater ist zufrieden und geht schon mal voraus, Doch der Sohn überlegt es sich anders. Er bleibt zuhause, der Weinberg interessiert ihn nicht mehr.

Der zweite Sohn tut genau das Gegenteil. Er hat sofort gedacht: Arbeit im Weinberg, „Gefällt mir nicht“, da geh ich nicht hin. Kein Bock, zu anstrengend, hab Besseres zu tun, da kann der Vater sagen, was er will. Er bleibt zuhause, dann aber kommt er ins Nachdenken. Es ist der Weinberg der Familie, der Vater braucht Hilfe… Auch wenn es auf den ersten Blick keinen Spaß macht, wäre die Arbeit im Weinberg wohl doch sinnvoll und nützlich. Seine vorschnelle Ablehnung reut ihn und er geht doch hin und hilft dem Vater.

Welches Verhalten ist nun nachhaltiger? Das Verhalten dessen, der viele „Likes“ verteilt und dafür auch viele „Likes“ bekommt, der sich aber nicht darum schert, was dahinter steckt und dem die anderen letztlich egal sind? Oder das Verhalten dessen, der sich nicht einschleimt, sondern erstmal offen sagt, dass ihn etwas nicht interessiert, dann aber zum Nachdenken kommt und schließlich aktiv wird, der sein Interesse nicht durch einen seelenlosen Klick zum Ausdruck bringt, sondern sich wirklich engagiert?

Wer viele „Likes“ und „Freunde“ hat, ist nicht deshalb schon ein Mensch mit Charakter. Er weiß sich erst einmal gut zu verkaufen. Was wirklich dahinter steckt, erkennt man erst, wenn für das angegebene Interesse und die Freundschaft eine Aktion erforderlich wird. Dann erkennt man, wem wirklich an den anderen etwas gelegen ist, wer wirklich die Anliegen der anderen teilt, und bereit ist, dafür etwas zu tun.

Nur auf einen Button zu klicken ist zu wenig, wir müssen unserem Interesse auch Taten folgen lassen, und dazu gehört auch, dass wir uns wirklich entscheiden können, was wir wollen. Immer wieder gibt es Situationen, in denen wir „Ja“ oder „Nein“ sagen müssen, in denen ein „Vielleicht“ nicht zählt, weil es ein feiger Lückenbüßer wäre, der die Lücke füllt, bis die Entscheidung unausweichlich ansteht. Entscheidungen fällen, Entscheidungen durchtragen, beides ist wichtig, zu dem stehen, was ich gesagt habe und vor allem: verlässlich sein, andere nicht täuschen, nicht heuchlerisch sein und sich nicht bei anderen einschmeicheln.

Es gibt Menschen, die stellen sich gerne in den Vordergrund, die wollen allen klar machen, wie toll sie sind, was sie alles leisten, besonders auch, um so vor ihren Vorgesetzten gut dazustehen. Ja, mach ich, natürlich, ich bin doch immer für sie da … Doch sie sind oft nur dann aktiv, wenn sie auch gesehen werden und ihnen die Anerkennung für eine Arbeit sicher ist. Die unscheinbare Arbeit überlassen sie gern anderen.

Dann gibt es Menschen, die stellen sich nicht in den Vordergrund. Aber gerade weil sie auch dort gute Arbeit leisten, wo es niemand sieht, halten sie den Betrieb am Laufen. Und doch gehen sie oft leer aus, wenn es um Dank und Anerkennung geht, weil die Menschen eben zu sehr auf das Äußere sehen und die Prahler mehr auffallen als die stillen Treuen.

Wer von den beiden hat den Willen seines Vaters erfüllt? Sie antworteten: Der zweite. Da sagte Jesus zu ihnen: Amen, das sage ich euch: Zöllner und Dirnen gelangen eher in das Reich Gottes als ihr. Denn Johannes ist gekommen, um euch den Weg der Gerechtigkeit zu zeigen, und ihr habt ihm nicht geglaubt; aber die Zöllner und die Dirnen haben ihm geglaubt. Ihr habt es gesehen und doch habt ihr nicht bereut und ihm nicht geglaubt. (Mt 21,31-32)

Jesus erzählt dieses Gleichnis den Hohenpriestern und Ältesten und will ihnen damit sagen: Ihr seid wie der erste Sohn, ihr steht an erster Stelle, wenn es um die Religion geht, aber nur um selber gut dazustehen und nicht, weil es euch um Gott geht. Ihr tut oft nicht das, was Gott von euch will. Daher kommen Zöllner und Sünder eher in das Reich Gottes als ihr. Denn sie sagen zwar ganz unumwunden, dass sie mit der Religion nicht viel am Hut haben, aber innen drinnen können sie doch gute Menschen sein und das Gute tun, das Gott will.

Jesus meint mit diesem Gleichnis aber auch uns alle, die wir als Getaufte nicht Knechte, sondern Söhne und Kinder Gottes sind. Der uns gewährte vertraute Umgang mit Gott darf nicht dazu führen, dass wir träge werden in seinem Dienst, dass wir sagen, wir sind getauft und gehen in die Kirche, also sind wir doch schon gute Menschen. Wir müssen unserem Glauben Ausdruck geben in unserem Leben, in unserem Einsatz für andere und dadurch, dass wir Gott den ersten Platz in unserem Leben geben. Manchmal sind es gerade Leute, die Gott zunächst ablehnend gegenüberstehen, die nach einer bewussten Bekehrung mehr Eifer zeigen als mancher, der sein Leben lang Christ ist.

Gott kennt das Herz des Menschen. Er weiß genau, aus welchen Beweggründen einer etwas tut. Bei Gott kann sich niemand einschmeicheln. Er sieht, ob ein Mensch wirklich fromm ist, oder nur dann, wenn andere es sehen. Ja oder Nein. Was wollen wir wirklich? Gehe ich in Gottes Weinberg zur Arbeit, weil es mir um Jesus und um die Menschen geht? Oder ist mir mein eigenes Ansehen wichtiger als alles andere? Die Entscheidung liegt ganz bei mir.

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Correctio Fraterna (Mt 18,15)

Es gibt auch immer wieder Situationen, in denen Menschen nicht mehr weiter wissen und Rat suchen. Manche Entscheidungen zu treffen, fällt schwer. Da ist es gut, Freunde zu haben, mit denen man sich besprechen kann, doch auch dann kommt es vor, dass ein Mensch den falschen Weg einschlägt. Es ist anders gekommen als erwartet, er hat hoch gespielt und alles verloren, hatte mehr den eigenen Vorteil im Auge als die Gerechtigkeit … Menschen machen Fehler und Menschen fallen in Sünde. Jede Sünde aber betrifft stets die ganze Gemeinschaft. Was also sollen wir tun, wenn wir sehen, dass ein Mensch dabei ist, den falschen Weg einzuschlagen?

Wie leicht ist es da doch, über andere zu reden. Schau mal, der da, was der wieder ausgefressen hat. So entstehen Gerüchte und Getuschel und schnell wird der andere ins soziale Abseits manövriert. Ist ihm damit geholfen? Sicher nicht.
Und ich selbst und die Menschen, die mit mir so sicher über den anderen geurteilt haben, sind wir wirklich so gut und machen alles richtig? In den Augen Jesu werden wir sicher als Heuchler dastehen. Was also tun?

Wenn dein Bruder sündigt, dann geh zu ihm und weise ihn unter vier Augen zurecht. Hört er auf dich, so hast du deinen Bruder zurückgewonnen. (Mt 18,15)

Es kostet Mut, direkt auf einen Menschen zuzugehen und ihm unter vier Augen zu sagen, wie ich über sein Verhalten denke. Genau das erwartet Jesus von mir, ein offenes und ehrliches Gespräch mit dem anderen, in dem ich nicht als besserwisserischer Ratgeber erscheine. Vielleicht hat der andere gar nicht gemerkt, wie sein Verhalten auf andere wirkt und ist nun selbst erschüttert darüber und will sich ändern. Vielleicht hatte er bisher nicht den Mut, es anders zu machen und bekommt so den Anstoß, sich zu ändern. Vielleicht kommt er ohne fremde Hilfe nicht aus einer Situation heraus und wir können zusammen nach einem Weg für ihn suchen. Wie es im Einzelfall auch sein mag, sicher ist ein offenes und ehrliches Gespräch in vielen Fällen hilfreich.

Wer mehr, als gut ist, schweigt, soll bedenken, dass er, wenn er den Nächsten liebt wie sich selbst, durchaus nicht schweigen soll gegenüber einem Unrecht, das er an einem anderen zurecht missbilligt. Das gesprochene Wort wird zum Medikament und leistet einen heilsamen Dienst. Diejenigen aber, die das heilende Wort zurückhalten und schweigen, verhalten sich gerade so wie Leute, die Krankheiten erkennen, aber sich heimlich dem Gebrauch der Heilmittel entziehen und so schließlich den Tod dadurch verursachen, weil sie die Heilmittel verweigern, die Heilung bringen konnten. (Gregor der Große)

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Peter Claver (1580-1654)

Petrus Claver wurde 1580 in Spanien geboren. Während seines Theologiestudiums trat er 1602 in den Jesuitenorden ein. Ab 1605 studiere er an der Missionsschule in Palma de Mallorca und erlangte dort über die Berichte von Mitbrüdern Einblick in die Nöte der Schwarzen, die man als Sklaven nach Amerika verschiffte. Neben deren körperlichen Leiden beschäftigte ihn vor allem auch der Gedanke, dass sich niemand um das Seelenheil dieser Menschen kümmerte.

Im Jahr 1610 sandte ihn der Orden schließlich nach Cartagena, einem für den Handel mit Spanien wichtigen Hafen in Kolumbien. Dort wurde er 1616 zum Priester geweiht und diese Stadt bildete von nun an das Zentrum seines Wirkens. Cartagena war damals ein wichtiges Handelszentrum Spaniens in Amerika und als solches eine Drehscheibe für die Ausfuhr von Gold und Edelmetallen nach Spanien und die Einfuhr von Sklaven aus Afrika.

Petrus kümmerte sich in selbstloser Nächstenliebe um die Sklaven, die hier eintrafen und weiterverkauft wurden. Immer, wenn ein Sklavenschiff ankam, war er vor Ort. Für uns ist es wahrscheinlich unvorstellbar, wie es auf einem solchen Sklavenschiff zuging. Um den Sklavenhandel möglichst profitabel zu halten, wurden so viele Sklaven wie möglich (300 bis 500) auf dem Schiff im dunklen Unterdeck zusammengepfercht und ihnen wurde nur so viel Wasser und Nahrung gegeben, dass sie gerade so überleben konnten. Schon in Afrika wurden die Sklaven auf brutale Weise gefangen genommen, wenn sie dann in Amerika ankamen, waren sie von den Entbehrungen und Misshandlungen gezeichnet, viele waren krank. Petrus Claver brachte ihnen Lebensmittel und Kleidung und hatte im Jesuitenkolleg eine eigene Ambulanz für die Kranken eingerichtet.

Den Kranken galt die besondere Sorge des Heiligen. So besuchte er 14 Jahre lang täglich einen alten Afrikaner, der in einer elenden Hütte am Rande der Stadtmauer dahinsiechte. Oft sah man den Pater im Spital die demütigsten Dienste verrichten. Im Spital von St. Lazarus am Stadtrand widmete er sich den Leprakranken. Hier kannte seine Liebe keine Grenzen und keine Vorsicht. Er legte die Kranken auf seinen eigenen Mantel, so dass seine Begleiter den Gestank kaum ertragen konnten, und der Mantel oft bis zu viermal am Tag gewaschen werden musste. Es gibt Zeugen, die berichten, dass Petrus Claver die von den Handschellen und Ketten verursachten Wunden der Sklaven geküsst habe.

Die gesunden Sklaven verbrachten oft nur wenige Tage in Cartagena, weil sie so schnell wie möglich weiterverkauft wurden. Petrus Claver gab ihnen in dieser kurzen Zeit eine Einführung in den katholischen Glauben. Mehr als 300.000 Sklaven soll er getauft haben. Vor allem aber sollte ihnen das Vorbild christlicher Nächstenliebe im Gedächtnis bleiben. Die Hilfe für die Nöte der Sklaven stand bei ihm an erster Stelle. So sagten Sklaven später über ihn:

Er war für alle Schwarzen Zuflucht und Schutz. Zu ihm kamen sie mit ihren Nöten, um Trost und Hilfe zu erlangen, denn er tröstete sie nicht nur mit Worten, sondern trat auch bei ihren Herren dafür ein, dass sie nicht gequält und unnötig bestraft wurden.

Durch seine Anwesenheit konnte er zumindest etwas die Brutalität der Sklavenhändler zähmen, die die geschwächten Menschen vom Schiff zum Sklavenmarkt trieben. Auch den weißen Sklavenhaltern war er ein Stachel im Gewissen. Viele von ihnen begegneten ihm mit Feindschaft, einige aber unterstützen seine Tätigkeit. Er selbst führte ein asketisches Leben, fastete viel und schlief auf einer einfachen Matratze. Er nannte sich selbst stets den „Sklaven der Sklaven“ – im Volksmund wurde er der „Apostel der Schwarzen“ genannt. 38 Jahre lang verrichtete er diese Tätigkeit, das Ende seines Lebens ist gezeichnet von verschiedenen Krankheiten, die ihn ans Bett fesselten. Er starb 1654 im Jesuitenkolleg von Cartagena. Bei seiner Beerdigung war die ganze Stadt zugegen. Sein Leichnam ruht in einem Kristallsarg unter dem Altar der nach ihm benannten Jesuitenkirche.

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