Ewiges Leben (Joh 17,3)

Dies sagte Jesus. Und er erhob seine Augen zum Himmel und sprach: (Joh 17,1a)

Zwischen die langen Abschiedsreden Jesu nach dem letzten Abendmahl und seiner Verhaftung, die den Beginn der Passion darstellt, setzt Johannes das Abschiedsgebet Jesu, auch hohepriesterliches Gebet genannt. Am Beginn des Kapitels steht eine klare Zäsur. Jesus hat zu seinen Jüngern geredet, hat sie gelehrt. Nun erhebt er die Augen zum Himmel und redet zu seinem Vater. Er redet nicht mehr zu den Menschen, sondern zu Gott. Ein solches Reden mit Gott nennen wir Gebet.

Auch die anderen Evangelien berichten uns von einem Gebet Jesu vor der Passion, am Ölberg, kurz vor seiner Verhaftung. Lukas spricht gar davon, dass dieses Gebet so inständig war, dass Jesu schweiß wie Blut zu Boden tropfte. Doch kein anderer Evangelist gibt uns so tiefen Einblick in das Beten Jesu wie Johannes.

Vater, die Stunde ist da. Verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrlicht. Denn du hast ihm Macht über alle Menschen gegeben, damit er allen, die du ihm gegeben hast, ewiges Leben schenkt. Das ist das ewige Leben: dich, den einzigen wahren Gott, zu erkennen und Jesus Christus, den du gesandt hast. (Joh 17,1b-3)

Jesus weiß, dass seine Stunde gekommen ist. Es ist die Stunde, von der schon oft im Evangelium die Rede war, die Stunde des Leidens. Die anderen Evangelisten sprechen vom Kelch, dem Kelch des Leidens, vor dem Jesus zurückschreckt, den er aber bereit ist, dem Willen des Vaters gehorsam, anzunehmen.

Jesus blickt zurück auf sein Wirken. Er hat alles getan, was der Vater ihm aufgetragen hat. Nun ist es Zeit, dass er sein Werk vollendet. Diese Vollendung geschieht in der Passion, im Leiden Jesu und seiner Auferstehung. Der Vater wird den Sohn glorreich durch diese Leiden führen und ihn verherrlichen und indem der Sohn den Willen des Vaters an sich geschehen lässt, wird der Sohn den Vater verherrlichen.

Was nun geschehen wird, dient der Verherrlichung Gottes, aber zugleich dem heil der Menschen. In seiner Macht schenkt Gott den Menschen neues, ewiges Leben. Gott wird verherrlicht durch die Rettung der Menschen. Die größte Verherrlichung Gottes geschieht dort, wo das Heil der Menschen entsteht. Es ist unbeschreiblich, wie wichtig für Gott der Mensch ist.

Jesus ist gekommen, um durch die Vollendung des Werkes des Vaters den Menschen ewiges Leben zu schenken. Aber dieses ewige Leben kann nur dort entstehen, wo Menschen bereit sind, sich auf Gottes machtvolles Wirken einzulassen. Das ewige Leben besteht darin, den einzigen wahren Gott zu erkennen und den Sohn, den er gesandt hat.

Das ewige Leben besteht also in der Gottes- und Christuserkenntnis. Im biblischen Sinn bedeutet Erkenntnis nicht nur das Wissen um Gott und Jesus, sondern vor allem das Vertrauen, die personale Beziehung und die Gemeinschaft mit Gott und Jesus. Das ewige Leben verwirklicht sich in Beziehung zu Gott und Jesus Christus. Wer in diese Beziehung eintritt, hat Teil am Leben Gottes.

Guter Gott, ich glaube und weiß, dass alle Dinge in dir leben. Was immer es an Sein gibt, an Leben, an Herrlichkeit, an Freude, an Glück in der ganzen Schöpfung, ist seinem Wesen nach einfachhin und absolut von dir. Was immer wir Gutes tun, geschieht nicht nur durch deine Hilfe, sondern ist eine Nachahmung jener Heiligkeit, die in ihrer Fülle in dir ist.

Oh mein Gott, werde ich dich eines Tages sehen? Werde ich die Quelle jener Gnade sehen, die mich erleuchtet, mich stärkt und mich tröstet? So wie ich von dir kam, so wie ich von dir gemacht wurde, so wie ich in dir lebe, so möge ich am Ende zu dir zurückkehren und bei dir sein für immer und ewig. Amen.

(Kardinal Newman)

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Christi Himmelfahrt (3)

Dann führte er sie hinaus in die Nähe von Betanien. Dort erhob er seine Hände und segnete sie. Und während er sie segnete, verließ er sie und wurde zum Himmel emporgehoben; sie aber fielen vor ihm nieder. (Lk 24,50-52a)

Nachdem Jesus als der Auferstandene seinen Jüngern erschienen ist und ihnen alles gesagt hat, was zu sagen war, geht er mit ihnen hinaus zum Ölberg in Richtung Betanien. Diesen Weg sind sie oft gemeinsam gegangen. Nun ist es das letzte Mal, dass Jesus leiblich diesen Weg mit ihnen geht. Dort wird er ihren Blicken entzogen. In der Apostelgeschichte wird Lukas dieses Ereignis durch das Erscheinen von Engeln noch weiter ausschmücken.

Die letzte Geste Jesu ist die des Segens. Segnend hält er seine Hände über den Jüngern, als er zum Himmel erhoben wird. Dieser Segen Jesu wird ein Segen ohne Ende sein, denn seine Segenshände wird er nun von seinem Platz bei Vater im Himmel immer über seine Jünger halten.

Jesus wird vor den Augen der Jünger in den Himmel erhoben. Das bedeutet nicht, dass Jesus als eine Art Superman der Antike in die Lüfte geflogen ist. Sicher, die Jünger haben vor Staunen den Mund nicht mehr zubekommen und mussten erst wieder in die Realität zurückgeholt werden. Aber es ist nicht das Wunder eines fliegenden Jesus, das es heute zu bestaunen gilt.

Was uns an Christi Himmelfahrt auch heute noch zum Staunen bringen kann, ist die Ehre, die Gott dem Menschen erweist. In Jesus Christus ist Gott wirklich als Mensch geboren worden und hat als Mensch gelebt. Bei seiner Himmelfahrt nimmt Jesus nun auch dieses Menschsein von der Erde mit in den Himmel hinauf.

Jesus, Gottes Sohn und Bruder der Menschen, kehrt mit unserer menschlichen Natur in Gottes Herrlichkeit zurück! Nun ist Gott nicht mehr nur der Freund des Menschen aus der Ferne, sondern das Menschliche ist ihm ganz nah, ist direkt am „Herzen Gottes“, ist mit Christus in die Mitte der Göttlichkeit erhoben.

Es gibt jetzt keinen Gegensatz mehr zwischen Mensch und Gott. Nun hat Gott endgültig einen Weg geöffnet für die innige Gemeinschaft mit dem Menschen, nach der er sich schon seit der Schöpfung sehnt. Warum zögern wir noch? Staunen wir über die Wunder, die Gott uns bereitet und treten wir ein in die Gemeinschaft mit ihm!

Christus wurde zum Himmel emporgehoben (Lk 24,51). – Mancher wird vielleicht sagen: Was geht das mich an? Es geht dich an, weil auch du in ähnlicher Weise in die Wolken emporgehoben werden wirst, denn dein Leib ist von derselben Natur wie seiner. Es wird also auch dein Leib so beweglich werden, dass er durch die Lüfte gehen kann; denn wir das Haupt, so auch der Leib. Wie der Anfang, so auch das Ende. Sieh aber, wie sehr du geehrt bist durch diesen Anfang. Der Mensch war das niedrigste der geistigen Geschöpfe. Aber die Füße sind Haupt geworden, sie sind erhoben zu königlichem Sitz in ihrem Haupt. (Johannes Chrysostomus)

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Christi Himmelfahrt (2)

Nachdem du für uns die Heilsordnung erfüllt

und das Irdische mit dem Himmlischen vereint hast,

bist du aufgefahren in Herrlichkeit, Christus, unser Gott.

Ohne uns zu verlassen, ungetrennt,

rufst du denen, die dich lieben zu:

Ich bin mit euch, und niemand kann gegen euch sein.

(Gebet der Ostkirche)

Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt. (Mt 28,20b)

Diese Zusage des Auferstandenen steht am Schluss des Matthäus-Evangeliums als zentrale Aussage des kurzen Berichtes dieses Evangeliums von der Himmelfahrt Jesu. Jesus kehrt zurück zum Vater, während seine Jünger auf der Erde bleiben, aber dennoch verlässt er sie nicht. Durch seine Auferstehung und Himmelfahrt wird eine neue Form seiner Gegenwart in dieser Welt möglich.

Jesus lebte zu einer bestimmten Zeit in einem ganz bestimmten Gebiet bei ganz bestimmten Menschen. Aber durch seinen Tod hindurch durchbrach er diese Grenzen von Zeit und Raum. Er wurde für alle Menschen der Jesus, der kam, um einen Bund mit der Menschheit zu schließen. Dieser Bundesschluss wurde durch seinen Tod sichtbar. … Das Geheimnis des Kreuzes und das Kreuz ist der Ort, von dem her alle Energie aufbricht und Jesus zum Liebhaber aller Menschen wird. (Henry Nouwen)

Von daher ist auch das Kreuz zum Kennzeichen der Christen geworden und nicht ein irgendwie geartetes Symbol der Auferstehung. Das Kreuz ist Zeichen des Lebens und Zeichen der bleibenden Gegenwart des Herrn, mit unserer Hand machen wir das Zeichen des Kreuzes über unserem Leib und bekennen so die Gegenwart des Auferstandenen. Das letzte Wort des Herrn aus dem Matthäus-Evangelium soll so zum Leitwort unseres Lebens werden:

Ich bin bei euch –  fürchtet euch nicht!

 

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Christi Himmelfahrt (1)

Christi Himmelfahrt ist bei näherem Betrachten ein verwirrendes Fest. Diese Aussage mag viele verwundern. Lukas berichtet uns doch in der Apostelgeschichte davon, dass Jesus vierzig Tage nach seiner Auferstehung  in den Himmel aufgefahren ist. Doch bereits bei Lukas finden wir zwei verschiedene Darstellungen dieses Ereignisses, eine im Evangelium und eine in der Apostelgeschichte. Nur in der Apostelgeschichte berichtet er von Engeln, die den verdutzen Jüngern einen Zuspruch erteilen.

Bei Lukas findet die Himmelfahrt in nächster Umgebung zu Jerusalem statt, auf dem Weg nach Betanien, wie es im Evangelium heißt, bzw. am Ölberg nach der Schilderung der Apostelgeschichte. Das ist kein Widerspruch, der Weg nach Betanien führt über den Ölberg. Wenn wir genau hinsehen, erkennen wir, dass Lukas alle Ereignisse um die Auferstehung Jesu in Jerusalem und dessen nächster Umgebung ansiedelt. Hier ist Jesus gestorben und begraben worden, hier ist er auferstanden und den Jüngern erschienen. Lukas zeichnet eine kontinuierliche Linie, die vom Abendmahlssaal, in dem Jesus mit seinen Jüngern das letzte Abendendmahl gefeiert hat, hin zur Entstehung der Kirche führt. In eben diesem Abendmahlssaal versammeln sich die Jünger nach Jesu Tod und Auferstehung, hier beten sie gemeinsam mit Maria und bereiten sich auf die Sendung des Heiligen Geistes an Pfingsten vor.

Anders bei Matthäus. Hier erscheint Jesus den Jüngern in Galiläa. Dorthin sind sie nach Jesu Tod geflohen, bzw. auf ausdrücklichen Wunsch Jesu hingegangen. Er sagt zu den Frauen am leeren Grab, dass er den Jüngern vorausgeht nach Galiläa und sie ihn dort sehen werden. Auf einem Berg in Galiläa, der genau so wenig wie das nach Lukas bei Jerusalem gelegene Emmaus genau lokalisiert werden kann, findet dann die letzte Erscheinung des Auferstandenen statt. Johannes kennt beide Traditionen bezüglich der Erscheinungen des Auferstandenen. Er erscheint den Jüngern in Jerusalem und in Galiläa am See von Tiberias. Von einem Ereignis, das der Himmelfahrt Jesu entspricht, berichtet Johannes nicht.

Wir finden hier also mehrere Überlieferungslinien vor, mündliche Erzählungen, die die Evangelisten nicht eigenmächtig harmonisieren wollten. Da die Berichte des Lukas in seinem Evangelium und in der Apostelgeschichte ausführlicher sind, wird oft der Ölberg als Ort der Himmelfahrt Jesu genannt. Dorthin fanden im 4. Jahrhundert von Jerusalem aus auch Prozessionen statt, als man anfing, das Fest Christi Himmelfahrt als eigenständigen Festtag zu begehen.

Doch mit der eindeutigen Lokalisierung und historisierenden Feier dieses Tages traten auch erste Missverständnisse zutage. Hat man bis ins 4. Jahrhundert hinein der Himmelfahrt Jesu am Pfingsttag gedacht und sie in engem Zusammenhang mit der Sendung des Heiligen Geistes gesehen, so bildete die Feier von Christi Himmelfahrt am 40. Tag nach Ostern einen Einschnitt in die fünfzigtägige Feier der Osterzeit. Sollte diese Osterzeit ursprünglich wie ein festlicher Tag in der Freude über die Auferstehung des Herrn gefeiert werden, so wurde diese Feier der Auferstehung fortan auf vierzig Tage begrenzt und die Tage zwischen Himmelfahrt und Pfingsten wurden als Tage der Vorbereitung auf die Herabkunft des Heiligen Geistes am Pfingstfest gesehen.

Vor allem im Westen hat man das Fest Christi Himmelfahrt oft als Feier des Heimgangs Jesu zum Vater missverstanden. Jesus entzieht sich den Blicken der Jünger, wie die barocke Figur des Auferstandenen, die im Kirchendach verschwindet. Aber warum sollten die Jünger fröhlich sein, wenn Jesus sie verlässt? Nicht so sehr der Weggang Jesu steht also im Zentrum dieses Festes, sondern dessen bleibende Gegenwart, die er den Jüngern verheißen hat. Es ist auch das Fest der Erhöhung der menschlichen Natur, denn Jesus Christus kehrt anders zum Vater zurück, als er von dort ausgegangen ist. Er kehrt zurück als Gott und Mensch.

Was ist nun das für ein Fest? Es ist ein großes und herrliches Fest, meine Geliebten, das den menschlichen Verstand übersteigt, würdig der großen Freigebigkeit dessen, der es geschaffen hat. Denn heute ist das Menschengeschlecht mit Gott ausgesöhnt, heute die lange Feindschaft beendigt worden und der langwierige Krieg zum Abschluss gekommen; ein bewunderungswürdiger Friede, ein Friede, den wir früher nie zu hoffen gewagt, ist wiedergekehrt. Denn wer hätte wohl Hoffnung gehabt, dass sich Gott je mit dem Menschen wieder versöhne? … Unser Geschlecht wandelte früher so schlimm, dass es selbst die Erde zu verlieren in Gefahr stand; und dennoch wurden wir, die wir der Erde unwürdig waren, heute in den Himmel erhoben; die wir nicht einmal der Herrschaft hienieden wert sind, steigen heute zum Himmel empor, ja selbst über den Himmel hinauf und nehmen dort den Herrscherthron ein, und die Kreatur, um derentwillen die Cherubim das Paradies bewachten, sitzt heute über dem Cherubim. (Johannes Chrysostomus)

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Das Herz an Jesus festmachen

Haltet in eurem Herzen Christus, den Herrn, heilig! (1Petr 3,15a)

Die Aufforderung, die der Erste Petrusbrief den bedrängten Christen Kleinasiens zuruft, hat bis heute nichts an ihrer Aktualität verloren. Nachdem die Christen in Europa über Jahrhunderte hinweg in christlichen Staaten gelebt haben, finden wir uns heute erneut in einer weitgehend unchristlichen Umgebung wieder.

Für viele bedeutet daher Christsein, nicht aufzufallen und so zu leben wie die anderen. Christliche Werte werden auf ein „Gut-Sein“ reduziert, das oft nichts anderes bedeutet, als dass jeder machen darf, was er will. Nur nicht auffallen, nur nicht die Stimme erheben, denn dann kommt sofort die Antwort der Gutmenschen: Ihr seid doch Christen, ihr dürft doch andere nicht verurteilen. Wo ist eure Nächstenliebe?

Bis ins tiefste Innere der Kirche hat man sich weitgehend unkritisch die Gedanken der liberalen Gesellschaft zu Eigen gemacht, nicht zuletzt deshalb, weil sie ja auf den ersten Blick so gut mit den christlichen Werten zusammen zu passen scheinen. Aber dadurch wurde das genuin christliche Profil, mit dem die Christen der Gesellschaft neue Impulse geben sollten, weitgehend verwässert und die Stimme der Kirche wird immer weniger gehört.

Das Zentrum christlichen Glaubens ist aber nicht das „gute Leben“, sondern Jesus Christus. Er ist die Mitte und das Ziel, von dem all unser Tun ausgeht und wohin es letztlich führt. Das „Gut-Sein“ der Christen ist Abbild der Güte Gottes, der allein „der Gute“ ist. Christliche Nächstenliebe erwächst also nicht allein aus „Menschenliebe“, sondern vor allem auch aus der Liebe Gottes.

Vielleicht mag einer fragen, was das für einen Unterschied macht, letztlich wollen doch alle das Gute für den anderen. Aber rein menschliche Liebe hat nur den Menschen als Ziel und da der Mensch stets begrenz ist, wird sie nie zur vollkommenen Erfüllung finden. Ihr haftet stets etwas Brüchiges und Stückwerkhaftes an.

Haltet in eurem Herzen Christus, den Herrn, heilig!

Wir müssen unsere Herzen fest machen in Jesus Christus. Die Mönche, ganz besonders jene der Ostkirche, aber auch viele andere Gläubige pflegen das Herzensgebet. Dieses Gebet hat verschiedene Formen, in allen aber geht es darum, das Herz fest zu machen in Jesus Christus. Unser Herz soll so stark mit ihm verbunden sein, dass er in uns präsent ist, egal ob wir bewusst an ihn denken oder nicht.

Viele haben die Zeiten des Gebetes, in denen sie sich bewusst in die Gegenwart Gottes zu versetzen suchen. Aber unser ganzes Leben muss ein Leben in der Gegenwart Gottes sein. Jeder unserer Schritte, jede unserer Handlungen, ja jeder Gedanke soll Ausdruck der Güte Gottes sein, der stets in uns am Wirken ist. Um so zu leben, ist eine ständige Einübung erforderlich, und wir werden dieses Ziel vielleicht nie vollkommen erreichen, aber unser ganzes Leben soll ein Weg sein, diesem Ziel, in der Gegenwart Gottes zu leben, näher zu kommen.

Helfen kann uns dabei ein Gebet des hl. Ignatius von Loyola:

Nimm hin, Herr, und empfange meine ganze Freiheit,
mein Gedächtnis, meinen Verstand und meinen ganzen Willen,
meine ganze Habe und meinen Besitz.
Du hast es mir gegeben, dir, Herr, gebe ich es zurück;
alles ist dein, verfüge nach deinem ganzen Willen.
Gib mir deine Liebe und Gnade, das ist mir genug.

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Brendan, der Reisende (3)

Ein Beispiel für Brendans Gottvertrauen gibt uns die folgende Episode:

Zu jener Zeit aber, als der hl. Brendan das Fest des hl. Apostels Petrus gefeiert hatte, war das Meer so klar, dass sie alles sehen konnten, was sich in der Tiefe regte. Als sie hineinsahen, erblickten sie die unterschiedlichsten Arten von Ungeheuern. Es schien ihnen, als könnten sie diese mit Händen greifen, so klar war die See. Sie lagen da wie Herden auf der Weide, wie eine große Schaar, die sich dadurch, dass jeweils der eine auf den Folgenden sein Maul legte, zu einem gewaltigen Kreis verbunden hat.

Die Brüder aber baten den ehrwürdigen Vater, dass er die Heilige Messe mit größtem Schweigen feiern solle, damit nicht die Ungeheuer ihn hörten und sich erhöben und sie verfolgten. Der heilige Vater aber lächelte und sagte zu ihnen:

„Ich wundere mich sehr über eure Dummheit. Warum fürchtet ihr diese Ungeheuer und habt euch nicht vor dem gefürchtet, der all diese Ungeheuer verschlingt und ihr Meister ist, auf dessen Rücken ihr gesessen seid und viele Psalmen gesungen habt (Brendan spielt hier auf die vorhergehende Episode mit dem Meerungeheuer Jasconius an)? Vielmehr habt ihr auf ihm Holz gespalten und Fleisch gebraten. Was also fürchtet ihr diese? Ist nicht Gott der Herr aller Ungeheuer und kann nicht unser Herr Jesus Christus alles Belebte bezwingen?“

Nachdem er das gesagt hatte, begann er so laut er konnte zu singen. Einige von den Brüdern aber beobachteten die Ungeheuer. Als diese die Stimme des Singenden vernahmen, erhoben sie sich und schwammen um das Schiff herum, so dass die Brüder ringsum nichts anderes sahen als Ungeheuer. Dennoch näherten sie sich nicht dem Schiff, sondern schwammen weit davon entfernt mal hierhin, mal dorthin und hielten sich zurück, bis der Mann Gottes sein Gebet beendet hatte. Danach aber flohen sie vor dem Angesicht des Dieners Gottes und schwammen in alle Richtungen des Ozeans davon. Der hl. Brendan aber konnte acht Tage lang bei günstigem Wind und mit vollen Segeln das klare Meer durchfahren.

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Brendan, der Reisende (2)

Eine der beeindruckendsten Szenen ist die Begegnung mit dem Meerungeheuer Jasconius. Dieses ist bereits in der antiken Mythologie bekannt. Es heißt, dass oft Seefahrer diesen riesigen Fisch für eine Insel halten, dort vor Anker gehen und auf dem vermeintlichen Strand ein Feuer machen, um Essen zu braten, wie es auch die Brüder des hl. Brendan gemacht haben. Die meisten Seefahrer bezahlen ihre Unvorsichtigkeit mit ihrem Leben, weil der Fisch, sobald er das Feuer spürt, die Seefahrer zusammen mit ihrem Schiff mit sich in die Tiefe reißt. Der hl. Brendan aber kannte die Gefahr und blieb auf dem Schiff. So konnte er die Brüder aus der Gefahr retten.

Einmal kamen sie zu einer Insel, und ihr Schiff kam zum Stehen, bevor sie einen Hafen erreichten. Der hl. Brendan gebot ihnen, an Land zu gehen, und sie zogen das Schiff mit Seilen bis zu einem geeigneten Ankerplatz. Die Insel war steinig und ohne alle Gewächse, nur etwas Wald gab es dort, am Ufer aber war nichts als Sand. Sie verbrachten die Nacht mit Gebeten und Nachtwachen, wobei die Brüder außerhalb des Schiffes waren, der Mann Gottes aber im Schiff blieb. Der hl. Brendan wusste nämlich, was es mit der Insel auf sich hatte, aber er wollte es den Brüdern nicht sagen, damit sie nicht ängstlich würden.

Als es Morgen wurde, gebot er den Priestern, dass sie einzeln ihre Messen lasen, und so geschah es. Als aber diese und der hl. Brendan im Schiff die Messen sangen, begannen die Brüder, frisches Fleisch vom Schiff nach draußen zu schaffen, um es mit Salz zuzubereiten, zusammen mit den Fischen, die sie bei sich hatten. Dafür machten sie ein Feuer und setzten die Bratpfanne darüber. Als sie aber Holz ins Feuer warfen und die Bratpfanne heiß wurde, begann die Insel sich zu bewegen wie eine Welle. Die Brüder begannen zum Schiff zu laufen und riefen den heiligen Vater um Hilfe an. Dieser aber zog jeden einzelnen mit der Hand ins Schiff. Sie ließen alles, was sie hinaus geschafft hatten, auf der Insel zurück und stachen in See, die Insel aber erhob sich ins Meer. Die Brüder konnten das darauf brennende Feuer zwei Meilen weit sehen.

Der hl. Brendan aber erklärte den Brüdern, was es damit auf sich hatte. Er sagte. „Brüder, wundert ihr euch, was diese Insel getan hat?“ Sie antworteten: „Wir wundern uns sehr und der Schrecken steckt uns noch in den Gliedern.“ Er sagte zu ihnen: „Meine Kinder, erschreckt euch nicht. Gott nämlich hat mir in der Nacht in einer Vision das Geheimnis dieser Sache enthüllt. Wir waren nicht auf einer Insel, sondern auf einem Fisch. Es ist der Oberste von allem, was im Meer schwimmt. Er sucht immer seinen Schwanz, damit er sein Maul mit ihm verbindet, aber er kann es nicht, weil er so lang ist. Sein Name ist Jasconius.“

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16.5. Brendan „der Reisende“ (ca. 484-578)

In früheren Zeiten steckten die Meere noch voller Abenteuer. Die Leute glaubten, dass darin Ungeheuer lebten, riesige Fische und anderes Getier. Man vermutete geheimnisvolle Inseln, auf denen es fremde Pflanzen und Lebewesen gab. Wer das Festland verließ und weiter als in Küstennähe auf das Meer hinaus fuhr, auf den wartete ein ungewisses Schicksal, das konnten märchenhafte Entdeckungen sein, aber auch der Tod.

Der hl. Brendan hat eine solche Entdeckungsfahrt gemacht. Von dieser Seefahrt gibt es verschiedene Berichte. Wenn auch seine Geschichte erst vierhundert Jahre nach seinem Tod aufgeschrieben wurde und daher ungewiss ist, was Brendan wirklich erlebt hat und was menschliche Phantasie hinzugedichtet hat, begegnen wir hier doch einem ganz besonderen Menschen.

Brendan wurde um das Jahr 484 im Südwesten Irlands geboren, im heutigen Fenit, einem kleinen Hafen an der Tralee Bay, mit Blick auf die Dingle-Halbinsel mit dem nach ihm benannten Mount Brandon. Er soll vom hl. Ardfert „Erth of Cornwall“ (auch Erc genannt), einem Gefährten des hl. Patrick, getauft worden sein. Dieser hat ihn später auch zum Priester geweiht. Brendan wurde selbst Missionar, gründete Klöster und reiste nach Schottland, Wales und in die Bretagne.

Missionare gab es damals viele in Irland. Sie haben aus dem einst heidnischen Land eine christliche Keimzelle gemacht. Iro-schottische Mönche haben nach den Wirren der Völkerwanderung den christlichen Glauben auf dem Kontinent, vor allem auch in den Gebieten des heutigen Deutschland, wieder neu gefestigt. Doch von Brendan erzählt man sich eine Geschichte, die noch wundersamer erscheint als die weiten Wanderungen seiner Glaubensbrüder.

Die „Navigatio Sancti Brendani Abbatis“, die „Reisen des heiligen Abtes Brendan“, waren im Mittelalter ein beliebtes Buch, von dem heute noch über einhundert Handschriften erhalten sind und das in viele Sprachen übersetzt wurde. Es gibt unterschiedliche Versionen der Reisen. Eine Fassung beginnt damit, dass Brendan ein Buch findet, in dem wundersame Dinge stehen, von drei Himmeln, zwei Paradiesen, neun Fegefeuern und einem Land unter der Erde, bei dem Tag ist, während hier Nacht herrscht. Er kann das alles nicht glauben und verbrennt das Buch. Daraufhin gebietet ihm ein Engel, selbst auf Reisen zu gehen, um zu erfahren, dass die Dinge, die er nicht glauben wollte, der Wahrheit entsprechen. Nach einer anderen Fassung hört Brendan von einem Mönch über die Insel der Seligen, die er daraufhin selbst besuchen möchte. Zusammen mit mehreren Mönchen als Gefährten macht er sich auf eine siebenjährige Seereise.

Das Motiv für die Reise Brendans finde ich faszinierend. Wie schnell tun wir Dinge, die wir nicht kennen, als falsch ab. Wir machen uns unsere eigene Welt zurecht und was da nicht hinein passt, das klammern wir aus. Obwohl das Wissen der Menschheit immer umfangreicher wird, leben viele Menschen doch gerne weiter in ihrer kleinen Welt. Psychologische Untersuchungen zeigen, dass wir sehr gut darin sind, Fakten auszublenden, die uns nicht vertraut sind. Jeder Mensch nimmt seine Umgebung anders wahr, je nachdem, mit welchem Blick er darauf sieht. Schon Karl Valentin hat gesagt: „Es ist eigenartig, dass jeden Tag gerade so viel passiert, wie in eine Zeitung passt.“ Und wenn wir uns heute in die Hände der modernen sozialen Medien begeben, dann werden die Informationen, die wir von diesen erhalten, bereits nach unseren Vorlieben gefiltert. Einfach gesagt heißt das, ich bekomme nur die Informationen, von denen ein geschickt programmierter Algorithmus glaubt, dass sie mir gefallen könnten.

Brendan hatte den Mut, aufzubrechen, und selbst zu erkunden, wie es um die Welt steht. Er wollte die Wahrheit wissen über Paradies, Fegefeuer und vor allem die Insel der Seligen. Er und seine Gefährten sind vermutlich um das Jahr 535 zu ihrer Reise aufgebrochen. Sie benutzen dazu einen Curragh, wie er damals in Irland üblich war, ein Holzboot, das mit Leder verkleidet war. Sie erlebten viele Abenteuer, begegneten riesigen Meerungeheuern und seltsamen Wesen und kamen er zu verschiedenen Inseln mit herrlichen Pflanzen und teilweise seltsamen Bewohnern. So wird von einer Insel der Schafe, dem Paradies der Vögel, der Insel der Schmiede und dem Land der Kristallsäulen berichtet.

An erster Stelle aber steht bei diesen Seefahrern der Glaube. Gott ist es, der ihr Schiff lenkt und ihnen stets die passenden Winde schickt. Er rettet sie aus allen Gefahren. Wenn sie eine neue Insel betreten, sprechen sie erst ein Gebet. Brendan und seine Gefährten sind Mönche, und sie vernachlässigen auch auf ihrer Reise nicht das klösterliche Stundengebet und die Feier der großen Festtage.

Sicher müsste man selbst den Dingen auf den Grund gehen, um zu sehen, was wirklich wahr ist in diesem Reisebericht. Die Insel der Seligen ist ein Sehnsuchtsort, der oft in der Literatur auftaucht. Gibt es diese Insel? Noch Jahrhunderte später haben Seefahrer nach diesem legendären Brendon-Island gesucht. Immer wieder gab es Versuche, die genannten Inseln zu lokalisieren. So identifizierte man die Stationen der Reise als die Hebriden, die Färöer, Island, Grönland und Neufundland bzw. Amerika. Ja, es gibt wirklich Leute, die vermuten, dass Brendan mit seinen Gefährten Amerika erreicht haben könnte. Dass eine solche Reise mit einem Boot, wie es Brendan benutzt hatte, möglich war, hat in den 1970er Jahren ein Abenteurer bewiesen, der diese Route mit einem solchen Boot zurückgelegt hat.

Vielleicht geht es aber gar nicht darum, wirklich eine geheimnisvolle Insel zu entdecken. Vielleicht geht es einfach darum, aufzubrechen, auf Entdeckungsreise zu gehen, damit wir andere Dinge sehen, als sie uns der vertraute Alltag bietet. Dabei können wir faszinierenden Menschen begegnen und Erfahrungen machen, die unser Leben verändern und bereichern. Das sind die Wunder einer Reise, die wir auch heute erleben können und diese können spektakulärer sein, als eine unbekannte Insel zu entdecken. Vielleicht genügt es einfach schon, einmal die Augen aufzumachen und unsere nähere Umgebung mit einem anderen Blick wahrzunehmen.

Nach seiner Rückkehr unternahm Brendan noch viele weitere Reisen, nicht nur Seefahrten. Er gründete Klöster in Schottland, Wales und der Bretagne. In Irland gründete er um das Jahr 563 das Kloster Clonfert und mehrere andere Klöster. Im Alter von mehr als 90 Jahren zog er zu seiner Schwester, wo er auch starb. Sie ließ ihn auf seinen ausdrücklichen Wunsch in Clonfert begraben, nicht weit vom größten Strom Irlands, dem Shannon.

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Jesu Abschiedsreden

Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott und glaubt an mich! (Joh 14,1)

Diesen Satz sagt Jesus zu seinen Jüngern, nachdem er beim letzten Abendmahl in der Fußwaschung ein Zeichen der Liebe Gottes gesetzt hat, aber auch, nachdem Judas der Verräter die Gemeinschaft der Jünger verlassen hat.

Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Das Herz des Judas war verwirrt, er hat Jesu Liebeszeichen nicht verstanden. Judas ist ein Beispiel für die Vielen, die Gott nicht verstehen, die sich abwenden von Gott, ein Beispiel auch für die Vielen, die keine Heimat finden in der Gemeinschaft der Glaubenden und sie verlassen.

Jesus will seine Jünger ermutigen, zu ihm zu stehen, auch wenn sie ihn nicht verstehen können, auch wenn sie nicht verstehen, was nun mit ihm geschehen wird in seinen Leiden und seiner Kreuzigung. Er will aber auch alle Menschen ermutigen, die nicht verstehen können, was mit ihnen als Glaubenden geschieht. Warum müssen auch die Glaubenden leiden, werden verfolgt und bedrängt?

Jesus bereitet seine Jünger auf harte Zeiten vor. Die Worte Jesu sind aber zugleich auch ein Spiegel der Situation, in der die Christen in der zweiten Hälfte des ersten Jahrhunderts, als das Evangelium geschrieben wurde, stehen. Auch sie erfahren Bedrängnis, Ablehnung von außen und Streit im Innern der Gemeinden. Von dieser Bedrängnis geben auch ganz besonders der erste Petrusbrief und die Offenbarung des Johannes Zeugnis.

Was hilft, in der Bedrängnis auszuhalten ist allein der Glaube an den liebenden Gott, das vertrauen darauf, dass Gott immer da ist, auch wo wir ihn nicht erkennen können. Was hilft, ist das unerschütterliche Vertrauen auf die Liebe Gottes, der keinen Menschen zurückweist. Wir glauben an einen Gott, der Liebe ist. Gott ist nicht der strafende Gott, der den Menschen Angst macht, der Menschen durch Angst zum Glauben zwingen will.

Unser Gott, der Vater Jesu Christi, ist ein Gott der Liebe, der seine Arme offen hält für alle, die ihn suchen, der selbst dem Verlorenen nachgeht, um ihm auch in der größten Gottesferne, in die dieser sich begibt, nahe zu sein. Der Glaube, von dem Jesus redet, ist das feste Vertrauen auf diesen liebenden Gott, der mich nicht verstößt, egal was ich getan habe.

Mit diesem gläubigen Vertrauen darf ich Gott begegnen. Ich bin Gottes geliebtes Kind. Ich glaube an einen Gott, der mich kennt und liebt. Der Glaube an Gott ist eine lebendige Beziehung. Deshalb darf ich Gott auch nicht sehen wie einen Automat, der auf mein Gebet hin meine Wünsche erfüllt. Einen solchen Glauben dürfen Kinder haben, als Erwachsene aber müssen wir immer mehr nach der Begegnung mit Gott suchen.

Wie eine Beziehung mich verändert, so verwandelt mich auch dieser lebendige Glaube. Ich verstehe immer mehr Gottes Wege, finde Antworten auf meine Fragen abseits vom Schwarzweißdenken. Ich entdecke, dass die Frage nach dem warum? nicht die wichtigste Frage im Leid ist. Ich erkenne Gott immer mehr und seine Liebe, die sich mir offenbart.

Als Glaubender brauche ich nicht wie ein Sklave ängstlich umherschleichen in der ständigen Furcht davor, dass mich eine strafende Peitsche schlägt. Wie oft bringt der Glaube solch skrupelhafte Menschen hervor. Jesus Christus hat uns durch seinen Tod und seine Auferstehung befreit zu neuem Leben. Leben wir dieses neue Leben in seiner ganzen Fülle!

Jesus, Liebe aller Liebe, du warst stets in mir, und ich vergaß es. Du warst zutiefst in meinem Herzen, und ich suchte dich anderswo. Als ich fern von dir war, hast du mich erwartet. Und jetzt wage ich, zu dir zu sagen: Auferstandener, du bist mein Leben. (Gebet aus Taize)

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11.5. Hl. Mamertus

Mamertus stammt aus der alten, südlich von Lyon gelegenen Stadt Vienne. Über sein Leben wissen wir nicht viel, er stammte aber wahrscheinlich aus einer der vornehmsten Familien der Stadt. Sein Bruder war Claudianus Mamertus, dessen christlichen Schriften und Kompositionen – obgleich heute kaum mehr bekannt – eine wichtige Bedeutung in der Entwicklung der Theologie und auch der Liturgie zukommt.

Mamertus wurde um das Jahr 461 Bischof seiner Heimatstadt Vienne. Bald nach seinem Amtsantritt kam es zu einem Streit zwischen ihm und Papst Hilarius (461-68) wegen jurisdiktioneller Fragen. Er missachtete eine unter Papst Leo I. (dem Großen, 440-61) durchgeführte Neueinteilung der Bistümer in Südgallien und setzte unter Nichtbeachtung der Rechte des Metropoliten von Arles selbst einen neuen Bischof in St. Die ein. Dies zeigt, dass auch unter Heiligen nicht immer ein harmonischer Umgangston herrscht und es durchaus zu Meinungsverschiedenheiten kommen darf.

In dieser Zeit gab es in Vienne und Umgebung zahlreiche Erdbeben und Feuer, die Stadt und Land verwüsteten und Missernten und Hungernöte zur Folge hatten. Mamertus führte daher im Jahr 469 an den drei Tagen vor dem Fest Christi Himmelfahrt die sogenannten „Drei Bußgänge“ ein. An diesen Tagen sollte durch besondere Gebete, mit Prozessionen und durch Fasten die Hilfe Gottes für sein bedrängtes Volk erbeten werden.

Diese Tradition der Bitttage hat sich in verschiedenen Formen rasch in ganz Gallien und darüber hinaus ausgebreitet, wurde um das Jahr 800 offiziell von Rom übernommen und ist bis heute erhalten geblieben. Die „Grundordnung des Kirchenjahres und des Kalenders“ aus dem Jahr 1969 beschreibt den Sinn der Bitttage folgendermaßen:

An den Bitt- und Quatembertagen betet die Kirche für mannigfache menschliche Anliegen, besonders für die Früchte der Erde und für das menschliche Schaffen; auch eignen sich die Tage für den öffentlichen Dank.

Bittgebete und Prozessionen entbinden den Christen nicht von seiner Verantwortung, bei der Lösung anstehender Probleme der Menschheit mitzuwirken. Sie zeigen aber, dass der Mensch diese Probleme nicht alleine lösen kann und muss, sondern auf die Hilfe Gottes vertrauen darf. Dazu schreibt Karl Rahner:

Bete so, dass du unter der Bitte um die Gabe von oben dich immer mehr selbst zur Opfergabe nach oben machst. Bete so, dass dein anhaltendes Bittgebet als Bewährung erscheint für deinen Glauben an das Licht Gottes in der Finsternis der Welt, für deine Hoffnung auf Leben in diesem beständigen Sterben, für deine Treue der Liebe, die liebt ohne Lohn. Wir sind unterwegs, Wanderer zwischen zwei Welten. Weil wir noch auf Erden wandeln, lasst uns bitten um das, was wir auf dieser Erde brauchen. Da wir aber Pilger der Ewigkeit auf dieser Erde sind, lasst uns nicht vergessen, dass wir nicht so erhört werden wollen, als ob wir hier eine bleibende Stätte hätten, als ob wir nicht wüssten, dass wir durch Untergang und Tod eingehen müssen in das Leben, das in allen Bitten allein das Ziel des Lebens und Betens ist. Solange die Hände gefaltet bleiben, gefaltet bleiben auch im entsetzlichen Untergang, so lange umgibt uns die Huld und das Leben Gottes, und alle Abstürze in das Entsetzen und in den Tod sind nur ein Fallen in die Abgründe der ewigen Liebe.

Mamertus starb im Jahr 475 in Vienne. An seinem Grab ereigneten sich wundersame Heilungen. Daher wurde er schon bald als Heiliger verehrt. Der Legende nach wurden seine Gebeine später nach Orleans übertragen. In vielen Gegenden zählt Mamertus zu den sogenannten „Eisheiligen“.

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